Nicht ganz dicht; immer versucht, Verse zu suchen. Nie ganz dicht, was dabei entsteht… »
03.
Oktober
2006
Verdreht ist nicht verkehrt...
Willst du ausschließlich Schuster sein, dann bleib bei deinem Leisten. Stete Tropfen fängt der hohle Stein, drum klotzen, bis es kleckert. Der faule Vogel fängt nur frühe Würmer, die vor Schlaf noch taumeln. Apropos Vogel: lass den Spatzen fliegen, wenn du die Taube auf dem Dach begehrst. Aber stelle Dein Licht ruhig unter den Scheffel; dort tut es not.
3. Oktober 2006, 18:06
20.
September
2006
Pünktlich zu spät.
Und während, daunenbewehrt, wohlige Wärme noch Trutz ist gegen die kriechende Kühle des Morgens, sägt sich der Wecker, dieser Auswurf moderner Zivilisation, mit schrägem Ton durch Herz und Hirn, bis alle Haare strammstehn auf den Hügeln meiner Gänsehaut, mich fröstelt. An andren Tagen weckt mich meine innre Uhr Sekunden vor dem ersten Weckerschrei. Nicht heute, sie wird ihre Gründe haben. Es ist ein Fehler, dass ich auf diesen Wecker höre, ich weiß es. Und doch stehe ich auf. Das nenne ich erbärmliche Anpassung. Anstatt die Zeit mit Sinn zu füllen, schneid ich sie in kleine Stücke und haste den Minuten hinterher. In solchen Augenblicken geh ich dann unvermittelt auf die Klötzer und halte trotzig inne. Und komm zu spät. Schon wieder.
20. September 2006, 09:42
05.
September
2006
im morgen-grauen (ein)gesponnen
du kleine spinne musst wohl spinnen
dein spinnen nächtens zu beginnen
wo ich des morgens, grad geweckt
noch halb im traum bin hochgeschreckt
willst, spinne, du mein herz gewinnen
dann musst du nächstens anders spinnen
und spinn mir keinen baldachin
dicht über meinem kopfe hin
spinnst du dein netz in zimmerecken
wird mich das nicht so grausam wecken
hättst du dein netz ins gras gesetzt
dann wär es jetzt mit tau benetzt
ich würds bestaunen und dich lieben
so ist dir nur mein schreck geblieben
5. September 2006, 08:43
04.
September
2006
für jeden tag
eine träne
eine des glücks
und eine der trauer
kaum merklich kreise ziehend
in silbriger spur des mondes
dort im fluss
der zeiten
der so fließt
weil er es muss
jene im knopfloch
wird mich geleiten
funkelt mir erinnerung zu
silbrig glänzend über dem mond
4. September 2006, 22:38
01.
September
2006
Der Trotz
ist mir ein Schutz und Trutz gegen fiesen Nieselregen, dessen herbstlich kalte Nebeltröpfchen sich wie winzige Kanülen in die Seele bohren wollen. So trage ich trotz dieses Wetters Sommer. Und schon wendet sich die schauderhafte Feuchtigkeit in sonnenwarme Regentropfen, sie perlen auf der Haut. Die Seele jubiliert, nur mein Verstand sagt mir: du spinnst, mich friert.
1. September 2006, 10:15



