Leonardos Fahrrad? jörns notizen

Besen, Besen, seids gewesen! Weicht, ihr Programme aus der Feder weicher Birnen! Software ist nicht mehr wegzudenken. Aber dass ihr Entstehen darüberhinausgehend von Denken begleitet wird, ist zu oft nicht erkennbar… »

29.
November
2009

Das Grammophon im Schinken

Nach dem Mittag war die Luft raus, ich wohnte einer Schinkenpause bei. Soweit ich meine Augen offenhalten konnte: Sabrina, in Schwarz-Weiß, von Billy Wilder. In einer Szene schippern Audrey Hepburn und Humphrey Bogart in einem kleinen Kahn, und zwischen ihnen steht ein Grammphon. Kurz kurbeln, nächste Platte drauf, und wie stilvoll präsentierte sich die Klangkonserve!

Ja, der Plattenspieler hatte dann Verstärker, bald gab es Stereophonie – doch wie auf einem Boot und ohne Strom? Nächster Versuch, das Kofferradio, mit Bandsalat in der Kassette, Dank Batteriebetrieb mobil – aber ästhetisch kann doch so ein Ding dem Grammophon kein Wasser reichen. Da ist nur konsequent, es zu verkleinern, bis man es nicht mehr sehen muss. Und wenn die Ohrstöpselverkabelung mit Fitz nicht ohnehin zu erstem Näherkommen führt, so hat man wenigstens ein Thema, wenn es um die Deutung der Extras des ultrakleinen Spielzeugs geht.

Ich bin gewiss kein Technik-Feind, aber den Fortschrittsglauben mancher Zeitgenossen kann ich nicht begreifen. Zu viele Neuerungen sind mit schmerzlichem Verlust erkauft. Zu selten ists ein Kompromiss. Meist liegt es nur daran, behaupte ich, dass die Entwickler das Wesen ihres Gegenstandes nur halb begriffen haben und zu früh zufrieden sind. Das find ich schade.

29. November 2009, 15:53

18.
Juli
2007

Zu gern würd ich verstehen,

warum die Ohrenstöpsel eines Sticks zur Wiedergabe von Musik (oder von Geräuschen, ganz nach Gusto) sich nicht dem rechten respektive linken Ohr zuordnen lassen, ohne vorher ‘R’ und ‘L’ zu lesen? Wer macht denn sowas? Wie kommt man überhaupt auf die Idee, Kopfhörer zu entwerfen, die sich nicht per Tastsinn Rechts und Links zuordnen lassen? Setze ich mir meine Kopfhörer etwa mit den Augen auf? Ich begreif das nicht.

18. Juli 2007, 09:04

10.
Januar
2007

Hotline

I know I stand in line until I realize you’ll never spend solutions for me… ‘hotline’ mag zwar suggerieren, man habe es mit einem heißen Draht zu tun, in Wahrheit handelt sichs jedoch bei ‘line’, man schlage nach, nur um eine schnöde Warteschlange. Und ‘hot’ ist Akronym für ‘hoax or tax’, man stellt sich also dafür an, nach allen Regeln der Kunst verarscht oder abgezockt zu werden. Da rede nochmal wer von Etikettenschwindel. Und das gibt es so wahrscheinlich schon, seit es Telefone gibt.

Aber die Entwicklung bleibt ja nicht stehen. Statt in einer Warteschleife minutenlang an Körperverletzung grenzende Geräusche ertragen zu müssen, die vermutlich irgendwer mal für Musik gehalten hat, kommt man nun fast sofort dran. Zunächst erklärt eine Computerstimme umfänglich, wen man gerade angerufen hat. Das ist praktisch, denn man weiß ja nie so genau, warum man die Nummer einer Hotline wählt. Damit man es auch wirklich versteht, spricht die Stimme sehr langsam. Sehr, sehr langsam. Dank moderner Computertechnik ist es möglich, solch eine Stimme nach einer Dosis Valium klingen zu lassen, wie sie ein Normalsterblicher keine zwei Sekunden überleben würde. Manch Hotline-Greenhorn (um mit der Zeit zu gehen: Hotline-Newbie) hat zu Beginn noch Wallungen von Ungeduld. Doch bald sind auch bei Ungeübten Hirnströme kaum noch messbar.

Das ist der Moment, in dem die Computerstimme ihre einleitenden Ausführungen beendet. Nun wird man vor Alternativen gestellt. Auch diese werden umfänglich erläutert, und mit besonderem Geschick verstehn es die Gesprächsdesigner, alle nicht interessierenden Möglichkeiten an den Anfang zu stellen. So bekommmt man die gesamte, aber wirklich die gesamte Palette des Hotline-Angebots vermittelt. Ein zu Unrecht noch wenig beachtetes Volksbildungsprogramm. Die meisten Hotlines sind so konsequent gestaltet, dass vorwitzig zu früh eingegebene Antwortnummern ein ‘Gehe zurück auf Start’ nach sich ziehen.

Bessere Hotlines nutzen zusätzlich die modernsten Entwicklungsergebnisse der Spracherkennung. Dass es damit noch gewaltig hapert, wird geschickt kaschiert, indem das Frage-Antwort-Spiel in allen Fragen nur auf Ja und Nein hin zielt. Das erinnert mich wohltuend an einige Spiele aus der Kindheit, leider habe ich die genauen Regeln vergessen, aber es gibt ja Hotlines. Manchmal darf man auch noch Kundennummern und Ähnliches durchbuchstabieren. Das ist dann die ganz hohe Schule, weiß man doch bei konsequenten Anbietern nie so genau, wo die gewünschte Nummer denn nun steht und welchen Teil man vorzulesen hat. Etwaige Fehler werden zurecht mit ‘Gehe zurück auf Start’ geahndet. Die Spracherkennung ist bereits so weit gediehen, dass auch unwillig oder gar ungeduldig hingeworfne Jas und Neins sofort erkannt werden. ‘Gehe zurück auf Start’, falls nach der Mitteilung ‘Ich habe Sie nicht verstanden’ der Anrufer seine Gefühle nicht in den Griff bekommt und sich nicht mäßigt.

Und auch die nicht direkt Beteiligten dürfen von den Hotlines profitieren. Es ist schon eine wunderbare Konzentrationsübung, wenn nur ein Kollege statt eines dahinfließenden Telefongespräches schweigend am Hörer sitzt, um in unregelmäßigen Abständen diese Stille mit überdeutlich akzentuierten Jas und Neins zu brechen.

So gesehen sind die Hotlines, Akronym her oder hin, denn doch ganz ‘hot’.

10. Januar 2007, 09:00

23.
November
2006

Deformatik

Hat eigentlich irgendwer schon wahrgenommen, dass Informatikjahr ist dieses Jahr? Am Physikjahr letztes Jahr kam man Dank Einstein nicht vorbei. Aber das Informatikjahr? Sie haben es nicht leicht, die Informatiker. Das fängt ja schon bei dem Begriff an, die Doppeldeutigkeit des Präfix ‘in’ war schon bei den alten Römern angelegt, und wer wollte angesichts der Presselandschaft heute den Hauch des Destruktiven im Begriff “Information” verleugnen? Sie haben es nicht leicht, die Informatiker, sind überall vertreten in den Dingen unsres Lebens, und doch werden sie zumeist nur wahrgenommen, wenn wiedermal das Interface nicht stimmt. Wenn sich unser Mobile nicht mit dem PC versteht und zugleich wir fürchten müssen, dass der Nachbar grade in unsrem Telefonverzeichnis blättert. Wenn ein Programm mal wieder so daherkommt, dass unsre Intuition auf eine wahre Probe gestellt ist. Wenn irgendein Produkt mal wieder tausend Extras mitbringt, aber ein entscheidendes Detail vergessen wurde. Wissenschaft von der “Informationsverarbeitung” nennen sie ihr Fachgebiet auf Deutsch, und das ist vielleicht der Fehler. Das Informationen von Maschinen gesichtet und geordnet, manchmal sogar gedeutet werden, ist schließlich nur die halbe Miete. Es braucht doch auch den Austausch. Und, bitteschön, nicht nur zwischen Maschine und Maschine.

Nächstes Jahr ist Jahr der Geisteswissenschaften. Mal sehn, ob die es schaffen, aus ihrem stillen Kämmerlein hervorzubrechen und zu pflegen, was gutem Denken erst den Sinn gibt: Kommunikation.

23. November 2006, 08:45

15.
August
2006

Pause

Manchmal braucht es eine Pause, eine kreative allzumal. Was bereits wieder mit Pause nicht so recht zusammenkommt. Nicht mit jener, die sprachgeschichtlich wohl von Bimsstein stammt, und auch mit der Kopie von lat. pausa nicht, verbunden mit lat. pausare, für innehalten und ausruhen – die Pose ist nicht weit. Von frz. ponce (Bimsstein) über frz. poncer (mit Bimstein abreiben, durchpausen – was hatten die nur für stabiles Papier?) zu frz. ébaucher (entwerfen) wurde schließlich pausen draus. Kopieren schließt ja den Entwurf nicht aus.

Womit ich beim Thema wäre und mich in Pose werfe: Tataa, jetzt beginnt der offizielle Testlauf dieses meines neuen Weblog-Hauses, zu dem ich komme von meinem Weblog auf myblog.de. Das Äußere ist ganz bewusst kopiert, zunächst. Aber das Innenleben! Standardkonform (soweit geprüft zumindest) und mit extrem ausbaufähigem (und das ist sehr ernst nur als Lob gemeint) Textpattern dahinter. Mein Entwurf mag hier und da noch hakeln, doch ist der Weg jetzt frei für alles, was mein Bloggerherz begehrt. Ohne irgendeinen wohlmeinenden Blog-Provider, bei dem man aber leider nie ganz sicher weiß, was er morgen will. Und Textpattern hat das Zeug, so nebenbei auch eine ganz normale Website zu verwalten, ohne gleich so fett daherzukommen wie manches “große” CMS (Content Management System). Man hat viel selber zu organisieren, und an einigen Stellen musste ich recht tief graben, aber das empfinde ich als Freiheit; bei anderen Systemen hat man’s leichter, ist aber ganz und gar der normalerweise uferlosen Phantasielosigkeit ihrer Entwickler ausgesetzt. Bei Gelegenheit werd ich eine kleine Sammlung meiner Erfahrungen zusammenstellen.

Zurück zur Überschrift, jetzt mach ich wirklich Pause; ich fahre für ein paar Tage musizieren.

15. August 2006, 23:14

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