Leonardos Fahrrad? jörns notizen

28.
Juni
2011

Girasole

Schau, die Sonnenblume, sie verblüht schon. Nein, sagte er, sie reift und bringt Frucht.

Habe kürzlich engl. sunflower mit sächsischem Akzent gehört, das war zum Abgewöhnen. Italienisch girasole, “die sich nach der Sonne dreht”, girare il mondo, so kommt man in der Welt herum. Spanisch girasol, aber in Mexiko nennen sie sie gigantón, naja, da kann unsere kleine Balkonsonne im Topf nicht mithalten. In Lateinamerika sagen sie maravilla, die Wunderblume, so nennen sie Ringelblumen aber auch, vielleicht, weil denen besondere Heilkräfte zugeschrieben werden. Manche bewirken etwas Wunderbares, manche sehen insbesondere gut aus, manchen gelingt beides. Soll es geben. Und dann fasziniert mich maravilla, weil ich merke, dass anderswo feiner zwischen Wundern unterschieden wird: Italienisch meraviglia für das Bewundernswerte, natürlich feminin, das unfassbare Wunder aber miracolo, und auch im Spanischen maravilla für das Außergewöhnliche, für die echten Wunder jedoch milagro. Das gefällt mir. Wer noch viele Wunder sehen kann…

28. Juni 2011, 07:36

24.
Juni
2011

Hamsterradsonett

Wenn Kraft und Zeit für dieses übrig bleiben
Warum kannst Du nicht dies für jenes lassen
Warum kriegt man Dich gar nicht mehr zu fassen
Für jenes, statt für dies Dich aufzureiben

Könntest Du doch jenes und noch andres tun
Brächte dies Dir sicher nur den puren Hohn
Jenes und noch andres Dir dagegen Lohn
Starte jenes und lass dieses endlich ruhn

Ob jenes oder dieses wichtig bleiben
Ich lasse mich nicht länger von mir treiben
Mein Hamsterrad lass ich ab sofort stehen

Ich suche nicht mehr dies und das zu einen
Und werd um das und anderes nicht weinen
Wofür mein Herz brennt will ich wieder sehen

24. Juni 2011, 07:21

22.
Juni
2011

Meiner Mutter Sprache...

Grub in meinen Mails der vergangenen Wochen nach irgendwas und stolperte über dies: Das für mich nicht passt zusammen mit…

Jetzt lese ich mich schon wie so ein Wildschwein-in-Pfefferminzsoße-Brite im Asterix-Heft, allmählich mach ich mir Sorgen. Ab sofort denke ich wieder öfter in meiner Muttersprache.

22. Juni 2011, 21:31

21.
Juni
2011

Immerhin Bewegung?

Da hat der Herr Amano von der IAEO also mitbekommen, dass nach Fukushima selbst die eingefleischtesten Liebhaber der Kernenergie (und der damit verbundenen überproportionalen Gewinne) mal ins Grübeln kommen sollten. Und er schlägt vor, die “IAEA Safety Standards” zu verschärfen und ihre Einhaltung sicherzustellen und damit in den kommenden 12 Monaten zu Potte zu kommen…

Immerhin, könnte man meinen, kommt nun sogar bei der Atomkraft-Kuschelkurs-IAEO etwas Bewegung auf. Ich bin da skeptisch.

Denn so wichtig der Aspekt maximaler Sicherheit ist: Im Ernstfall, der sich nie ganz vermeiden lässt, sind alle diese Vorkehrungen radioaktive Pampe. Im Ernstfall braucht es klare Konzepte, Strategien, braucht es bereitstehende Technik und Personal, das binnen weniger Stunden, schlimmstenfalls Tage vor Ort einsatzbereit ist.

Der Herr Amano hätte von einer Task Force reden können. Von einem IAEO-Himmelfahrtskommando, das im Ernstfall das Unmögliche versucht. Er hätte Fukushima zum internationalen Prüfstein der Atomindustrie erklären können, zu einem Testfall, ob es überhaupt brauchbare Strategien für solche Störfälle geben kann. Strategien, die auch inmitten vielbevölkerter, gänzlich pazifikfreier Regionen noch greifen. Die schnell greifen und nach dem Schlimmsten wenigstens das Allerschlimmste zu verhindern versprechen.

Hat er aber nicht. Weil er und seine ganze Behörde so unfassbar unfähig ist, dass daran niemand dieser feinen Herren denkt. Oder sie wissen zu genau, dass es keine akzeptable Lösung gibt. Dann aber sind sie nicht unfähig, sondern korrupt.

21. Juni 2011, 20:48

27.
März
2011

Atomlobby, auf nach Fukushima!

Soll keiner sagen, er hätte nichts gewusst. Nach Tschernobyl. Aber sie setzen trotzdem Unschuldmiene auf. Wahrscheinlich, weil Atomkraft so reich macht (Mit jedem abgeschriebenen AKW lässt sich etwa eine Million Euro pro Tag verdienen.) Natürlich wird nicht jeder davon reich, schon gar nicht die Gesellschaft, die sich um den übrigbleibenden Dreck alleine kümmern darf.

Hielt mir doch gestern so ein Atomkraft-Befürworter vor, es gebe da eine Studie, unter anderem von der WHO getragen, laut der in Tschernobyl in Wahrheit nur 50 Arbeiter durch Verstrahlung gestorben sind. Es wäre ja alles nicht so schlimm, wie immer behauptet würde. Da hält man erstmal die Luft an. Und recherchiert. Und findet diesen Artikel in der New York Times. Da liest man von eben jenem Report, von diesen 50 Arbeitern und davon, dass die ersten Befürchtungen nach Tschernobyl in der zunächst vorhergesagten Dimension zum Glück nie eingetroffen sind. Und man liest von insgesamt 4.000 Menschen, die allen Anzeichen nach infolge des Unglücks zu Tode kamen, und von über 90.000 Menschen, die 2001 allein in der Ukraine als durch dieses Unglück behindert gezählt wurden, und dass Ukraine und Weißrussland jährlich 5 Prozent Ihres Jahreshaushalts für die Unterstützung der Tschernobyl-Opfer ausgeben… Aber auch das sind für den eingangs genannten Atomkraft-Befürworter wohl ebenfalls nur Peanuts.

Es wird in diesen Tagen von vielen Atomkraftbefürwortern von Senkung des Restrisikos gesprochen. Unabhängig davon, wie blauäugig oder bestochen-optimistisch (siehe die Tsunami-Prognosen für Fukushima) diesem Restrisiko entgegengesteuert wird, eines haben alle diese Reden vom geringen Restrisiko gemeinsam: dass offenbar nicht und nie mit dem Ernstfall kalkuliert wurde. Es gibt keine entwickelten Konzepte, keine bereitstehenden Technologien zum Umgang mit solch einem Desaster. Das ist durchaus ein typisches Phänomen: dass über der Arbeit zur Fehlervermeidung der Umgang mit dem worst case vergessen wird. Jeder Programmierer kennt das. Aber den Kernkraft-Sicherheitstechnikern hätte das nicht passieren dürfen. Und es ist ihnen passiert. Denn wenn Kernkraftwerksbetreiber Mittel für den worst case bereithielten, hätten sie diese doch wohl längst in Japan zum Einsatz gebracht, um Vertrauen zu retten, wo es noch zu retten ist.

Es gibt Möglichkeiten, jetzt aktiv zu werden. Und man muss dafür nicht einmal den Schreibtisch verlassen. Neben vielbeachteten Unterschriftenlisten gibt es auch ein Instrument unserer eigenen Demokratie, das viel stärker Beachtung finden sollte:

Wir alle können auch abseits jeder Wahl per Petition unserem Bundestag deutlich machen, wohin die Reise gehen soll, zum
Beispiel durch Mitzeichnung dieser Petition.

P.S. Ja, ich plädiere dafür, dass jeder, der sich jetzt noch für Atomkraft stark macht, zugleich öffentlich dazu verpflichtet, bei einem Reaktor-Unglück vor Ort zur Verfügung zu stehen. Und um ein Zeichen zu setzen, sollten Atomkraftbefürworter sich wenn irgend möglich mit ihrer Familie direkt neben dem nächsten Atomkraftwerk ansiedeln. Vielleicht trüge das zu mehr Ehrlichkeit bei.

27. März 2011, 14:53

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