23.
November
2009
Arisaema ringens
Längst schlummert Eulenauge tief in finsterem Gewölbe, so gut möcht ich es auch mal haben, sieben Monate des Jahres Ruhe für Besinnung auf ein Neues. Gut, sieben sind es hier beinahe auch geworden; Leben fordert Zeit, man kann sich nicht zerteilen. Auch manche Fragen brauchen Zeit. Mein Eulenauge heißt nun, Muttern sei Dank, Arisaema, ein Aaronstabgewächs, auch Kobralilie genannt. Obwohl sie mit der Lilie nicht verwandt und es noch andre Kobralilien gibt, Insektenfresser, vielleicht liegt ob des Blütenstandes eine Verwechslung vor. Auch Arisaema aber wird zur Falle für Insekten: Bieten Blütenmännchen noch ein Schlupfloch in die Freiheit, so wird dem pollenbeladenen Insekt das Entkommen aus den Blütenweibchen schwer, ist es einmal in den Schlund gepurzelt. Das werd ich mir im nächsten Frühjahr ganz genau besehen. Doch meine Arisaema ringens, die “Zähne fletschende”, wird mir das “Eulenauge” bleiben.
23. November 2009, 07:25
03.
Mai
2009
Die Eulen sind zurück...
Seit mir diese Eulen zugeflogen, gehören sie zu meinem Frühling wie der Flieder. Dies Jahr hätt ich sie beinahe vergessen in ihrer Kellergruft, wo sie so ab September im Dunkel auf ihren nächsten Frühling warten.

Sie bohren sich ans Tageslicht, und unter ihrer Hülle, rosa-weiß gesprenkelt, ahnt man schon die ganze Pflanze. Wie ein aus seiner Puppenhülle schlüpfendes Insekt entfaltet sie Tentakel…

Und schließlich stehen sie erneut herum, zu zwein, zu dreien, weil sie mir so wertvoll sind, dass ich zum Leid meiner Umgebung stets einen ganzen Schwarm zu züchten pflege, falls eine Pflanze einmal nicht mehr will.

Und Jahr für Jahr sind mehr Erinnerungen mit diesem kleinen Eulenwald verwoben, irgendwann werd ich mir wünschen, dass sie es mir erzählen könnten.

Ich nenn sie Eulen oder Eulenauge, die Blüte legt es nahe, doch hab ich keine Ahnung, wie die Dinger wirklich heißen, woher sie stammen (ob von dieser Welt?) und mit wem verwandt. Bin für jeden Hinweis dankbar.

3. Mai 2009, 17:01
25.
April
2009
Augenblicks Moment
Bin kurz hinausgetreten, und auf der Schwelle schon umfängt mich süß ein Hauch von Apfelblüte. Die Dämmrung naht, nur noch die Amselherren auf den Giebeln singen sich ihr Lied auf diesen Tag, der Rest der Welt hält inne. Fast Morgengrauen spiegelnd, wie wenn nach dem Geschrei ums erste Licht die Vögel plötzlich stille werden, bis Sonne sichtbar wiederkehrt. Die milde Wärme dieses Tages ist noch nicht verflogen, und auch die letzten Hummeln fliegen noch, mal hie, mal da hebt eine überm Blütenmeer sich mir vom Abendhimmel ab. Taumelnd suchen sie zu raffen, die Nacht greift schon nach ihnen, doch wie sich lösen, wenn rings noch abertausend Blüten locken… Dies Bild geht mir nicht aus dem Kopf; seh selber mich getrieben vom Blick auf tausend Möglichkeiten, verlockt von Augenblicks Moment.
25. April 2009, 21:30
23.
April
2009
Frühlingsmorgen
Nie habe ich geahnt, wieviel mir dies Geräusch bedeuten würde: Du atmest. Gott sei Dank.
23. April 2009, 09:12
22.
April
2009
Schattenspiele
Und dann begegnet er ganz unvermittelt einem Schatten der Vergangenheit. Seiner Vergangenheit? Verwundert hält er inne: Schon lang nicht mehr verwundet, und doch den Schatten noch als Schatten wahrgenommen. Obgleich der Schatten wahrlich Schatten seiner selbst geworden, zumal im Licht der Jahre ausgeblichen. In diesem Licht lösen sich Schatten aus dem echten Dunkel. Projektionen werden im Lauf der Sonne offenbar, falls nicht zuvor von selbst ein Licht ihm aufgeht. Da löst er sich von seinem Schattenspiel und findet eine neue Dimension.
22. April 2009, 22:59



