06.
September
2007
Herbstlicht,
kristallen klarer Abend, überirdisch schöne Farben, Wolkenbilder aus der Kitschfabrik, ich radle zwischen alten Bäumen, an verträumtem Teich vorbei, folge jenem schmalen Wiesenpfad, und fühle, wie dieser Bildertraum sich greifen lässt, grübele ob des Absurden, dass mir gerade der Moment gewordne Übertraum aus Licht und Farben das Gefühl zu Leben schenkt, mich Wirklichkeit empfinden lässt. Was ist schon wirklich, was ist wahr? Allen Definitionsversuchen steht die Wortgeschichte gegenüber: vom (Flecht-)Werk her das Wirken, das Suffix -lich als Überbleibsel eines alten Wortes für Gestalt, wirklich also das Geschaffene? Und wahr ist, was uns wohlgesinnt, ist das Vertrauenswerte, Glauben, russisch vera. Von Gorz klingt noch ein Wort im Ohr, dass allem Geist zum Trotz am Ende dieses zähle: das Fühlen.
6. September 2007, 09:26
25.
August
2007
Firenze
Selbst im Getümmel Abertausender gehst Du nicht unter
Und Du erliegst den dröhnend lauten Blechlawinen nicht
Bist den Fassadensehern die erwartete Kulisse
Dahinter schimmert leise hörbar alter Zeiten Licht
In deren Größe alle hemmungslosen Blitzgewitter
Sich als vergebliche Sekundenlichter ganz verlieren
Wer sehen kann und hören, wer das Weinen nicht verlernte
Der wird in Deinen dunkelsten Gewölben niemals frieren
Selbst den betonzernarbten Vorstadtfluten Richtung Pisa
Gibst Du mit Deinen grünen Hügeln einen sanften Rahmen
Birgst wildes Dachgewimmel unter Deiner Kuppel Schweben
Du Blühende, Dich lassend ruf ich sehnend Deinen Namen
Firenze
25. August 2007, 11:28
16.
August
2007
Sommerloch
Leise, am Beginn ganz leise hebt Regen an im Laub zu rascheln, kaum merklich wächst das Rauschen in den Blättern, bis schließlich aus der Sickergrube Plätschern blechern durch die Regenrohre hallt wie fernes Trommeln. Es ist ein Morgen, dem ich gute Nacht zurufen wollte, aus meinem Sommerloch heraus, in das ich mich gegraben habe, im Treibsand meiner Hast. Phlox leuchtet fahl aus trübem Dunkel unter tiefen Wolken, säumt meinen Weg der Flucht vorm Muss, der mich beinah gefallen sah. Und so im Stolpern innehaltend Gefallen an der Muße wiederfinden ließ. Ich mache mirs im Sommerloch bequem. Die regenreine Luft, das leise Rauschen, das tropfensatte Blattwerk öffnen meine Augen, und zwei kristallen grüne Lichter leuchten mir zu Dir: nach Haus.
16. August 2007, 16:02
18.
Juli
2007
Zu gern würd ich verstehen,
warum die Ohrenstöpsel eines Sticks zur Wiedergabe von Musik (oder von Geräuschen, ganz nach Gusto) sich nicht dem rechten respektive linken Ohr zuordnen lassen, ohne vorher ‘R’ und ‘L’ zu lesen? Wer macht denn sowas? Wie kommt man überhaupt auf die Idee, Kopfhörer zu entwerfen, die sich nicht per Tastsinn Rechts und Links zuordnen lassen? Setze ich mir meine Kopfhörer etwa mit den Augen auf? Ich begreif das nicht.
18. Juli 2007, 08:04
16.
Juli
2007
Sommertag
Heimkehr auf dem Weg, des jede Richtung mich nach Hause führt. Zwiespalt zwischen Licht und Schatten in sattem Grün des Weinbergs, von ferne Fels, noch grüßend, mit bald in Dunst vergangenen Konturen. Die Vögel schweigen längst, das ausgedarbte Holz der Telegraphenmasten scheint zu knistern, noch hat kein Wölkchen sich am Himmel sammeln können. Als letzter, schwerer Atem vor der Glut des Mittags hebt sich Dunst und löst die klaren Grenzen zwischen Licht und Schatten auf, der Horizont beginnt zu flimmern.
Schwer lastet Sommerwärme, die Gräser stehen starr, kein Lüftchen, das noch Leben ahnen ließe. Ich sehne dunkle Regenwolken, tief über sattem Grün. Dort ziehen die Gedanken ins Land der Träume hin, wo Stund um Stunde weicher Regen fällt und meine Hast und Unruh sich verlieren in glitzernden Brillanten abertausend feiner Tröpfchen in den Spinnennetzen und an der Gräser Spitzen. Ich sehe Regenwürmer die geflutete Behausung fliehen und hör im Blätterwerk das Echo dieses Regens, es riecht nach frischem Gras und nach von Staub befreitem Laub.
Ächzend legt der Tag sich schlafen, noch ist die Dämmrung kaum zu ahnen, und aus der Ferne hallt ein letztes Grollen, ein Regenbogen weist die zarte Ahnung erlösenden Gewitters zurück ins Reich der Träume, und wieder bin ich auf dem Weg, des jede Richtung mich nach Hause führt, nach Haus zu Dir. Die Nacht gibt uns den Sternenhimmel frei, und ganz allmählich ist der Tag vergangen, weicht seine Hitze jener zwischen uns. Ein Tag nur, nur ein Tag, und doch wie einen langen Sommer fern von Dir.
16. Juli 2007, 10:42



