23.
Oktober
2007
Lek-türe
Manchmal kommt mir der Verdacht, dass dieses Wort “Lektüre” falsch geschrieben sei. Vielleicht ja aus ästhetischen Erwägungen, des nahen Verbes wegen. Aber mir geht es so, das jedes Stück Lektüre gleichsam eine Türe wird, die neue Lecks mir ins Bewusstsein ruft, die ich mit weiterer Lektüre schnell zu stopfen suche. Ein bisschen ist das wie so ein Schneeballsystem, oder wie bei Hase und Igel. Dass die “-türe” in diesem Fall in Wahrheit über das Französische zu uns gekommen ist, es liegt nahe, wie auch die gemeinsame Wurzel mit ital. leggere für lesen. Per Lektüre in italiano si dice lettura. Und lettura bedeutet gleichermaßen den Stoff (Lektüre) und den Vorgang selbst, das Lesen. Das schreib ich mir hinter meine Ohren, bevor ich das nächste Mal in einen Bücherladen gehe – ich will erst zuende lesen, dann neue Lektüre kaufen, ich will erst…
23. Oktober 2007, 08:32
22.
Oktober
2007
November übt schon
Der Himmel drückend tief, Oktoberluft vernebelt, in kalten, langen Fäden rinnt November, und erster Frost verwandelt dieses Nass in einen dünnen Panzer Eises. An solch einem Morgen blieb ich wirklich besser in den Federn. Jetzt einen Apfelstrudel mit Rosinen, und dann einen Tag lang nichts als… Singen.
22. Oktober 2007, 08:00
19.
Oktober
2007
Nischendasein
Das also führ ich nun. Ein Nischendasein. Endlich ein Ende des ewgen Hin- und Her. Der Blick auf Apfelbaum und Haselbusch ist mir ins Herz gebrannt. Ich hör die Igel schnaufen, an Hasels Fuß im Laub, am Horizont darüber markiert ein einsam Licht jetzt Hochlands Rand, ich sehe es vor mir. Doch sitz ich nun in dieser Nische, die ersten drei Brett meiner Bücher über mir, und fühl mich wohl. Fühl mich gelandet. Ein Tausch, jedoch ein guter, obgleich doch “tauschen” eigentlich von mittelhochdeutsch “tiuschen”, also von “täuschen” kommt. Für mich stammt diese kleine Nische, bestückt mit meiner Mutter altem Schreibtisch, jetzt in besondrer Weise via altfranzösisch “nichier” von lateinisch “nidus” ab: die Nische ist mein Nest geworden. Und Du so nah bei mir. Musst nicht mehr lange warten.
19. Oktober 2007, 23:25
19.
Oktober
2007
Ra(s)tlos.
Ich bin ein hoffnungsloser Idealist. Ein hoffnungsvoller Pessimist. Auch Zweckpessimist zuweilen; man gönnt sich gern mal eine angenehme Überraschung. Aber sehe ich auf das, was sich so heutzutage unter dem Sammelbegriff Politiker bewegt, wenn es sich immerhin bewegt, dann bin ich einfach nur noch ratlos. Und werde darob manchmal rastlos. Dann schreibe ich den einen oder andren Brief an einen oder mehrere Politiker und frage mich und frage sie darinnen, was sie wohl treibt, mit Lobby-Lemmingen die Klippen nicht zu ahnen und wider bessren, öffentlich verfügbaren Wissens sich für Unsinn stark zu machen. Die Antworten sind überraschend. Überraschend, weil es sie tatsächlich gibt, und sei es aus dem Vorzimmer des Vorzimmers des Vorzimmers. Überraschend, weils zuweilen blinder geht, als ichs mir alpträumen konnte. Überraschend, weil sich manchmal sogar etwas bewegt. Nicht, weil ich geschrieben habe. Jedoch vielleicht, weil nicht nur ich geschrieben habe.
Politiker sind auch nur Menschen. Trifft man Entscheidungen, dann stellt man Weichen, die über den erklärten Zweck hinaus den einen oder andren finanziellen Nutzen tragen. Wenn etwa eine grüne Chili-Schote, bald rot geworden, schließlich schon fast schwarz, den überteuerten Reisepass mit Schnüffelchip (Einstiegslektüre und Links siehe hier) befördert – um sich endlich, ohne wirklich rot zu werden, vom passenden Hersteller anheuern zu lassen, ist das dann konsequent? Oder dem geschenkten Gaul nicht in das Maul geschaut? Oder nicht vor allem ein ungeheurer Bärendienst an unsrer Demokratie? Den Herrn Schily hab ich nicht gefragt, dem geht es jetzt zu gut, als dass ich noch auf eine Antwort hoffte. Und leider ist er alles andre als ein Einzelfall.
Neuerdings versuche ich, das alles ganz Lessig zu sehen. Nach Lawrence Lessig, der nach Jahren Engagements für Creative Commons sich dieser Frage zugewandt hat: wie und wo und wann entsteht das, wozu die Politik verkommen ist, kann man es korrigieren? Lessig gehts um “Korruption”, und dass er dabei das Wort “Korruption” bewusst in Hochkommata setzt, macht ihn mir interessant; ihm geht es zunächst um die Analyse, es gibt also noch Menschen, die zu analysieren versuchen. Korruption hat viele Facetten, nicht zuletzt jene, von der der Volksmund spottet, das Gegenteil von gut sei gut gemeint.
19. Oktober 2007, 08:39
22.
September
2007
tag-T-raum
Er holt mich ein, immer wieder, besonders an so wilden Abenden wie jetzt, da sich die Nächte über schneidend klares Herbstlicht legen. Ich brause meinem Noch-Domizil entgegen, längs der Elbe, die quer zerfurcht vom Abendwind sich in der Dämmerung bedrohlich zeigt. Mein Kopf ist zum Zerspringen angefüllt, ein Knäuel roter Fäden, die sich mal wieder nicht entwirren wollen, das Spannseil meiner Seele scheint zerfasert, ich kann mich nicht entscheiden, und folge allen Wegen parallel, ein Kopfspagat, gottlob habe ich einen dicken Schädel. Und dann seh ich dieses Bild von einer Brücke, die sich atemraubend spannt und doch nicht Anfang und nicht Ende hat, ein schwebendes Fragment, ein Regenbogen aus Beton, die Enden unerreichbar. Ich fühle, dass dies meine Brücke ist, noch unvollendet, wie so vieles, für das mir einfach Muße fehlt. Auf der Brücke braust ein Zug, die Türen zu, kein Trittbrett ist zu sehen, stromlinienförmig saust er, und ich kann ihn schneller fahren lassen, nur Bremsen ist nicht möglich; es gibt keinen Halt. Dieses Bild ist mehr Gedanke denn ein Traum; ich bin ihm nicht ausgesetzt. Und doch sehe ich es wiederkehrend. Und wundre mich, dass mich gerade dieses Bild ganz ruhig werden lässt, die roten Fäden mir entwirrt und Ordnung in das Chaos bringt.
22. September 2007, 09:41



