Leonardos Fahrrad? jörns notizen

31.
Mai
2007

lichtschleifchen

dein lächeln nur, und es würd licht
find bloß im flur den schalter nicht
und sehe drum nicht dein gesicht
so seh ich auch dein lächeln nicht
und darum wird es nun nicht licht
und find ich diesen schalter nicht

31. Mai 2007, 07:33

30.
Mai
2007

geh

geh du deine wege, geh, und
        fahre fort die ankunft nur zu sehnen
höre nicht auf sorgen, die schon morgen
        dich an deinem ende wähnen
hör nicht auf zu gehen; zweifel säend
        wirst du zweifel wachsen sehen
geh und öffne deine augen, geh, und
        bleib nicht vor der türe stehen

30. Mai 2007, 05:00

28.
Mai
2007

Ein Tag im Zoo

Der Nachteil moderner Zootierhaltung ist, dass man außer Heerscharen von Besuchern kaum Tiere zu Gesicht bekommt. Der Vorteil moderner Zootierhaltung ist, wenn man denn Tiere sieht, dass die Illusion entsteht, es ginge ihnen gut. An einem Pfingstsonntag lassen sich natürlich besonders viele Vertreter der Spezies Zoobesucher beobachten, zumal bei so nettem Wetter. Uns hatte es ja schließlich auch dorthin verschlagen, wobei eher nicht das Wetter, sondern die Kombination aus lang gehegtem Interesse und einer Gratis-Familienkarte Anstoß gab, aus der Provinzhauptstadt Dresden gen Messestadt Leipzig zu pilgern.

(ein tag im zoo)

Nach anfänglicher Ent-Täuschung (siehe oben) stellte sich dann doch noch eine Illusion ein: in einer andren Welt zu sein, mitten im Großstadt-Dschungel die Großstadt loszuwerden.

(ein tag im zoo)

Bei genauerem Hinsehen waren zunehmend auch Tiere auszumachen.

(ein tag im zoo)

Und die Illusion vom Wohlbefinden der Tiere wandelte sich in etwas, das ich als gefühlte Gewissheit bezeichnen möchte.

(ein tag im zoo)

Ein Harz-IV-Empfänger in der Platte lebt dagegen eher wie ein Huhn in Käfighaltung, Auswirkungen auf Geist und Körper nur für starke Charaktere zu vermeiden. Im modernen Zoo scheinen diese Zeiten Vergangenheit zu sein. Wobei die ansehnlichen Landschaftsstückchen mit gut getarnten Grenzen schon etwas von goldenem Käfig haben. Drängt sich die beunruhigende Frage auf, wie lange man Harz-IV-Empfänger sein muss, um einen goldnen Käfig als Wohltat zu empfinden… ich schweife ab. Aus Kinderzeiten ist mir der Leipziger Zoo backsteindüster, staubig-eng und käfigreich in Erinnerung – kein Vergleich zu heute, da er von Grün und Wasser und begrüntem Wasser wunderschön durchwachsen ist.

(ein tag im zoo)

Hinter gelben Lilien in sattgrünem Schilfrand schaut man ins idyllisch angelegte Reich des Königs der Savanne, und wenn man Glück hat, erlebt man selbigen dann nicht nur hinter hohem Gras versteckt und hingefläzt die Sonne tankend, sondern bei der Fütterung. Wobei sich angesichts dieser Beschäftigungstherapie schon einige Vergleiche zum Menschsein nicht verdrängen lassen. Der Herr des Hauses, er bringt brav den Müll hinaus…

(ein tag im zoo)

...während sich sein Weib damit befasst, eine Streitquelle aus dieser Welt zu schaffen.

(ein tag im zoo)

(ein tag im zoo)

(ein tag im zoo)

Auch andre Spuren unsrer Zivilisation sind in einem Zoo wahrscheinlich nicht ganz zu vermeiden, wie dies Foto von Erdmännchen neben Ketchup-Eimer zeigt.

(ein tag im zoo)

Der Schuh im Bild gehört dagegen zu einem Exemplar der besondren Gattung „prominenter Zootierpfleger”, die man in Leipzig dank der (wie ich finde) schönen Serie des MDR „Elefant, Tiger & Co.” mit etwas Glück freilaufend beobachten kann.

(ein tag im zoo)

Hier zu sehen Herr Gräser, der ohne Luft zu holen sein Publikum auf nette Art zu unterhalten weiß – in unverwechselbar liebevollem, weichem Sächsisch. Es gibt nur wenige wie ihn, bei denen ich unseren Dialekt nicht nur ertragen kann, sondern sogar gerne höre.

(ein tag im zoo)

Der Zoo Leipzig, ein zoologischer Garten, der dieser Bezeichnung Ehre macht, und wohnte ich in Leipzig, so wäre ich gewiss an ruhigen Tagen öfter dort zu finden, nur um loszulassen und mich zu erholen.

(ein tag im zoo)

Natürlich täuscht diese idyllische Szenerie nur darüber hinweg, dass es, von nahem besehen, viel zu tun gibt.

(ein tag im zoo)

Mich gemahnen diese Vögel an das Ende der gerade angebrochnen Woche, da ich an einem kleinen Forum rund um die Zukunft von Online-Wörterbüchern teilnehmen darf, für das es noch Gedanken in Form zu bringen gilt und dem ich sehr gespannt und gleichermaßen skeptisch entgegensehe… Diese Vögel, sie gemahnen mich, weil einerseits „Flamingo” wohl von spanisch „flamenco” stammt und die Nähe zu „Flamme” von lat. „flagrare/ flagma/ flamma” doch plausibel scheint, Farbe des Vogels wie Feuer des Tanzes betreffend, aber andererseits die Hintergründe so wenig greifbar sind. Alles könnte einen Klick weit nahe sein, ist es aber nicht: der Weg des Wortes geografisch, Erwähnungen in der Literatur, etymologische Pfade in anderen Sprachen, und heißt spanisch „flamenco” nicht auch „Flämisch”, was haben denn die Flamen mit der Flamme zu tun? Und die Italiener, wie bitte kommen die neben „fiammingo” auf „fenicottero” als Synonym? Von „fenice” für „Phoenix”? Wieso das, und wofür steht dann „cottero”, für den verknallten oder den geschmorten Phoenix? Fragen über Fragen, die ich heute eigentlich weder blätternd noch via Suchmaschine suchen müssen möchte. Nur ein Aspekt von vielen zum Thema Online-Wörterbuch.

28. Mai 2007, 23:11

27.
Mai
2007

frag mente

viel stückwerk sammelt sich im kopf, aus mangel an verstand
verstand ich dies zu einen nicht, verlief das werk im sand
in splittern meiner mosaiken hab ich mich verlaufen
werf meine steine nicht, nicht über, aber auf den haufen

ein lob auf das vergängliche, das ich nicht halten kann
es zieht durch die vergänglichkeit mich fest in seinen bann
es sorgt für wechsel der natur in steter wiederkehr
und gäb es das vergehen nicht wär keine zukunft mehr

naive splitter meines seins und werdens mich begleiten
und will mein kopf mich gegen meinen geist dazu verleiten
das stückwerk festzuhalten und in einen sinn zu binden
so werf ich diesen ballast fort und geh mich selber finden

27. Mai 2007, 07:32

26.
Mai
2007

miss lingen

als ich miss lingen ahnungslos als tochter theos wähnte
und meine schwermut tatenlos in einer ecke lehnte
hab ich noch nicht gewusst, wie schwer es sein kann, loszulassen
hab nicht die kunst gekannt, auch nach miss lingen mut zu fassen

und später glaubt ich gar im auge des orkans zu stehen
bis ich begriff: da war nicht mal ein leiser wind zu sehen
heut bin ich davon nicht geheilt, doch weitestgehend frei
und hoff, dass mein miss lingen eine tochter theos sei

26. Mai 2007, 12:44

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