Leonardos Fahrrad? jörns notizen

07.
März
2007

Stille

…und wieder pickt die Küchenuhr die Stille auf, Kurt Tucholsky fand dies wunderbare Bild und hat es gleich verschenkt, im April 1914, an seine Erzählung In des Waldes tiefsten Gründen, darinnen er von einem sehr, sehr deutschen Räuberdorf berichtet.

Und weil ich einmal beim Zitieren bin, als Peter Panter beschrieb Tucholsky 1931 in einer Glosse (Verkehr über dem Haus) das Maß der Stille, das er brauchte: still muss es sein, so still, dass man die Druckfehler in den Büchern knistern hört.

Eigenartig, dass die Stille so oft mit dem Geräusch verbunden – ich sehe mich bei meiner kleinen Großmutter, sie schläft am schmalen Ende ihres Küchentisches, den Kopf auf ihren Unterarmen, wie sie es wohl des Mittags ihr Leben lang getan, und die Zeit scheint stillzustehen. Wäre nicht die Uhr, die unablässig tickt und dabei doch dieses Gefühl des Stillstands noch verstärkt.

7. März 2007, 08:59

06.
März
2007

Farfalle fanno falle?

Da hilft das Herkunftswörterbuch nicht weiter. Wenn der Ursprung des “Fiasko” noch zu finden ist, die “farfalle” sinds natürlich nicht – kann jemand mir ein gutes Italienisch-Herkunftswörterbuch empfehlen?

Das “Fiasko” stammt von italienisch “far fiasco”, wörtlich “die Flasche machen”, wobei italienisch “fiasco” wiederum in germanisch “flasko” seine Wurzel hat, das auch unsrer Flasche Ursprung ist – womit lustigerweise das Fiasko sowas wie ein Neffe oder Großneffe unsrer Flasche ist. Und Herr Trappatoni (“Flasche leer”) ist gleich ein bisschen besser zu verstehen. Die Wendung “far fiasco” ließ mich an die farfalle denken, die mich schon schon so oft “farfallen” ließen (oh, wie verräterisch und grausam doch das Wort ‘verfallen’ als Homonym Bedeutungen vereint).

Und wenn “farfalla” denn tatsächlich von “far falla” (ich hoffe nicht: “far fallo”) stammen sollte, ist das im Alltag noch bewusst, spielt man damit, oder liegt es fern, an den Zusammenhang zu denken? E “farcelo” deriva da “far cielo”?

Mille grazie in anticipo per ogni risposta!

P.S. Die mir nahe sind: bitte nicht unmittelbar von meinen Zeilen auf mein Befinden schließen; es war einmal wieder anzumerken, dass dies hier anzumerken ist, le farfalle sono in vita!

6. März 2007, 08:57

02.
März
2007

gerettet

wie wilder brandung flammenmeer am fels zerschollen
doch netzend jenes urbild aller kraft und ruh
hab ich als gischt zerrissen fliegen können wollen
dass ich zerrissen nicht zerschunden ward warst du

du heilst mir all die aufgerissnen wunden
dank dir wird jammervoll nie jämmerlich
in deiner nähe kann ich neu gesunden
dass du mich fliegen lässt, des lieb ich dich

dich seh ich schon die netze ziehen
wenn ich mal wieder mich erhebe
mich allerorts zugleich zu mühen
zerrissen nach verdopplung strebe

dass ich, im drängen blind
so aufgefangen lande
den roten faden find
und landend nicht versande

machst du, mein herz
tilgst allen schmerz
darum will ich
auf immer dich

2. März 2007, 10:45

01.
März
2007

Traumräume

Mir träumt immer wieder, ich würde wach. In einem verworren fremden Raum, von wilder Schönheit oder kühler Eleganz. Ein Raum, in dem hernach ein jedes Mal beglückend viel Vertrautes in mein Auge fällt. Der jedoch zunächst mich sehr verwirrt nach dem Woher und dem Wohin das Hirn zermartern lässt. Denn zu Beginn erinnere ich mich gar nicht. Manchmal passiert mir das im Leben auch. Aber im Leben wird man schnell richtig wach, wenn man sich in einem andren Raume wähnt. Man rennt sich dann die Zehen ein oder seinen Kopf, irgendwas fällt krachend nieder oder der liebste Mensch auf Erden schreckt aus seinem Morgenschlummer.

Nach einer solchen Raumtraumnacht liege ich des Morgens wach und frage mich, warum ich diese Räume träume. Sind es Fluchtgedanken? Doch wovor? Versagensängste sind es nicht; dafür hab ich wahrlich eine andre Art von Träumen. Vielleicht sinds Fernweh, Sehnsucht, Hunger nach dem Neuen. Ganz sicher meine stete Frage nach dem eigenen Wohin, die ich im Alltag reduziere auf meine Kenntnis des Woher. Nach einer solchen Raumtraumnacht frage ich mich dann, ob ich nicht doch allmählich meine Ziele finden sollte, nachdem ich schon so lange Tür um Tür in neue Räume ging.

Aber ich mag doch Ziele überhaupt nicht; ich liebe dafür Träume und liebe jede Tür in neue Räume. Ziele sind doch nur Markierungen. Jedes Ziel ist Schlussstrich, Ende, Aus – und zugleich Markierung eines Territoriums. Messpunkt für den Schrei “Ich war der Erste”. War, denn bei Erreichen ist ein Ziel Vergangenheit. Dann bleiben nur das Trommeln mit den Fäusten und das Schulterklopfen, und schon heißts “Nochmal”.

Nein, dann träum ich lieber weiter meine Räume und weiß nicht recht wohin und gehe einfach immer weiter.

1. März 2007, 08:19

28.
Februar
2007

lähmende unruh

eilend nur, in steter hast
ohne ruh und ohne rast
werden tage zu sekunden
nutzlos rinnen alle stunden

atemlos in dummer hatz
macht das herz den ängsten platz
wie in einem schlechten traum
greift sich leere drohend raum

unruh greift in das getriebe
lähmt am ende gar die liebe
doch dann spür ich deine wärme
trotze hast und allem lärme

28. Februar 2007, 19:10

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