Leonardos Fahrrad? jörns notizen

16.
März
2007

Heute schon GEMA(e)kelt?

Die GEMA, “Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte”, das Makeln scheint sie noch nicht in ihrem Repertoire zu haben, dagegen ich das Mäkeln wohl. So liest sich der Zweck dieses Vereins schon wie ein halber Drohbrief, Verwaltung, Wahrung und Inkasso. Und auch die Mitteilungen an die Presse sehen nicht viel besser aus, “veranlasst Sperrung”, “einstweilige Verfügung”, “Doppelschlag”.

Die GEMA nimmt sich selbst als Schutz und Schild der Urheberrechte wahr, versteht sich als Lobby der vertretnen Komponisten. Nur frage ich: wem nützt das? Wer kreativ ist, will der denn für eine Besenkammer produzieren? Müsste nicht die GEMA als “Verwertungsgesellschaft” am Handel Interesse haben, am Verkauf ihrer vertretnen Werke? Ist den Komponisten überhaupt bewusst, mit wem sie sich verbünden?

“Wir über uns”, die GEMA hakt dies Thema in einem guten Dutzend Zeilen ab. Im ersten Drittel werden die Begriffe “Leitbild” und “Vision” bestimmt, dem “Leitbild” gilt in vier Unterpunkten dann das zweite Drittel, und auch der “Visionen” gibt es viere. Na gut, sage ich mir, sich kurz zu fassen ist eine Kunst.

Leitbild, die Erste: “Musik berührt die Menschen in allen Zeiten und Kulturen.” Ich übersetze: “Music sells itself.” Rührend. Das ist der Freifahrtschein ins Schlaraffenland der Rechte-Lobby. Die muss nun nur noch ihre mürrischen Beamten hinter einen Tresen setzen und warten, dass die Käufer ihrer Rechte sich die Hacken wundlaufen. Und für den Papierkrieg eigenhändig den nächsten Urwald abholzen. Und dankbar sind für jeden Brösel dieses wundervollen GEMA-Kuchens, der uns so berührt.

Leitbild, die Zweite: “Wir schützen und fördern die Urheber von Musik, vertreten die Interessen der Komponisten, Textdichter und ihrer Verleger weltweit und begleiten aktiv die Musikmärkte.” Und wenn die aktiv begleiteten Musikmärkte Geld abwerfen, wird das in die Förderung gesteckt. Ich nehme an, dass die modernen Pfauenfedern aus den Besenkämmerlein ein wunderbares Feigenblatt ergeben – und das, was sich dann wirklich wie von selbst verkauft, das lässt den Moloch überleben. Man nennt es Querfinanzierung. Die, die quer des Mainstreams stehen, werden irgendwie mit durchgeschliffen. Wozu sich hehre Ziele setzen wie “Wir fördern die Aufführung der Werke unsrer Komponisten”? Es reicht doch auch so.

Leitbild, die Dritte: “Wir prägen die kulturelle und wirtschaftliche Identität des Musiklebens und bilden die Brücke zwischen den Urhebern, der Musikwirtschaft und der Öffentlichkeit.” Mit rundgeschliffnem Mainstream prägen, das ist schon eine Leistung. Und, ah, da ist auch die GEMA-Weltenteilung: Urheber, Wirtschaft, und Öffentlichkeit. Hier der Künstler, dort die Agenturen, und hintenan die Rezipienten. Hübsch sortiert, wie seit anno dazumal. Solche Werte zu bewahren, braucht es heute schon ein kleines Bollwerk. Und die GEMA baut die Brücken – oder sind es eher Strippen eines Spinnennetzes?

Leitbild, die Vierte: “Unsere Unternehmenskultur ist geprägt durch respektvollen und offenen Umgang untereinander, durch Wissen und Erfahrung sowie durch Förderung von Eigenverantwortung.” Mir kommen die Tränen. Ein richtig gutes Klima hinter den GEMA-Tresen. Ihr geht respektvoll und offen miteinander um, gebt Wissen und Erfahrung weiter (was auch immer GEMA-Wissen und -Erfahrung sind) und, ich bin berührt, da wird das zarte Pflänzchen Eigenverantwortung gepflegt. Da wird man sich aber umgewöhnen müssen, wenn eines Tages ein Anruf bei der GEMA nicht mehr in Telefon-Kaskaden mündet.

Vision, die Erste: “Wir sind eine der weltweit führenden Verwertungsgesellschaften für Werke der Musik.” Ja, weltweit führend, das wäre was. Das wollten schon sehr viele. Despoten, Autofabrikanten, Telekommunikationskonzerne… ähm, was “verwertet” ihr doch gleich? Ach so, Werke der Musik. Aber “weltweit führend”, das ist doch mal eine Vision.

Vision, die Zweite: “Wir bieten unseren Kunden das Weltrepertoire an und halten für alle Musikurheber und Rechteinhaber umfassende und attraktive Dienstleistungen vor.” Umfassend und attraktiv, nun ja, eine Vision eben. Das “Weltrepertoire” – Fanfare! Tusch! – keiner kommt an Euch vorbei, wenn er wahrhaft Großes haben möchte. Die Besenkammerkomponisten sollen sich halt befleißigen, und wenn sie einst tot sind, werden sie ja vielleicht auch ins “Weltrepertoire” aufgenommen. Das gabs schon manchmal.

Vision, Die Dritte: “Wir sind mitglieder- und kundenorientiert. Wir handeln schnell und flexibel; dabei arbeiten wir vertrauensvoll, leistungsbezogen und in Teamstrukturen zusammen.” Ich hab genug gemäkelt. Ich könnte ja jetzt anmerken, dass Ihr da gerade die einfachsten Grundsteine für das Überleben eines KLEINEN Unternehmens in der sogenannten freien Wirtschaft aufgezählt habt. Aber das wollt ihr doch nicht wirklich? Ärmel hochkrempeln und kreativ sein? Nein, im Vertrauen, bleibt lieber Lobby. Die großen Weltkonzerne machen es doch vor. Verliert bitte nicht Eure erste Vision aus den Augen.

16. März 2007, 11:28

15.
März
2007

Steine Jerusalems, nach Dresden getragen

Am Sonntag nach langer Zeit mal wieder in Dresden, mit unserem aktuellen Programm:

Steine Jerusalems

15. März 2007, 15:26

15.
März
2007

Mit der Ruhe

habe ich es nicht, darum sage ich mir immer wieder „immer mit der Ruhe”. Das ist widersinnig; für mich wär „manchmal mit der Ruhe” schon zuviel. Denn Gelassenheit zählt nicht zu meinen Stärken. Andererseits kann mir es nicht genug der Ruhe geben, wenn die Ruhe Stille meint. Und süßes Nichtstun ist mir lieb, vor allem in der Ruhe vor dem Sturm. Dann bewahr ich ruhig Blut, bis es zu spät ist.

Gestern sprengte mir die Ruhe fast das Trommelfell. Sagt vor mir in der Schlange an der Kasse doch so ein Typ mit Bauarbeiterpranken seinem Mütterchen, das panisch aufgeregt sein Portemonnaie zu finden sucht, mit liebevollem Unterton: „Immor middär Ruhe, Muddschn!”. Das „Muddschn” sucht ohne aufzusehen weiter. Ich würde auf so eine Anrede an ihrer Stelle auch nicht reagieren, aber bei ihr ist es wohl die Schwerhörigkeit. Nun hat sie doch gemerkt, dass er was sagte, blickt fragend und verzweifelt auf. Und es wird klar, sein liebevoller Unterton war mühsam nur erkämpft: „Middär RRRUUUUUHHÄÄÄ!” Direkt neben meinem Kopf. Fünf Minuten später ließ das Fiepen in meinem linken Ohr dann nach, und ich konnte das leise Röhren des sich allmählich verabschiedenden Vorschalldämpfers genießen, als wäre es das Summen von lauter Brummelhummeln auf einer stillen Sommerwiese.

15. März 2007, 08:32

09.
März
2007

Stephen King

ließ in “The Green Mile” den Gefangenen John Coffey jene Worte sagen, die sich in meinen Kopf gebrannt: “Er hat sie mit ihrer Liebe getötet. So passiert es jeden Tag… auf der ganzen Welt!”

Mit diesen Worten jedenfalls im deutsch synchronisierten Film. Nachdem John Coffey dank seiner besondren Gabe im Todestrakt Green Mile seinen Wärter sehen ließ, dass nicht er, John Coffey, mordete. Und sehen ließ: der wahre Mörder zweier kleiner Schwestern brachte die zum Schweigen, indem er jeder drohte, falls sie nicht stille bleibe, an ihrer statt der Schwester etwas anzutun. Ein grauenvolles Bild. Und doch, reicht es nicht in so manchen Alltag? Erschreckend weit bis ins Alltägliche? So viele schöne Weisen Liebe kennt, so schaurig viele Arten Macht sind eng mit ihr verwoben.

Schon lange wollte ich die Worte Coffeys mal im Original gelesen haben, endlich habe ich’s nun angepackt. Mein Englisch ist zwar löchrig, doch quergelesen stören fehlende Vokabeln eher wenig, schnell war die Stelle aufgefunden. Das Englisch des John Coffey aber enttäuschte mich zunächst, und kompakter hatte ich die Stelle auch erwartet. Im Film, in Deutsch, ist Coffeys Sprache halt an andren Stellen schlicht gestrickt, nur zu natürlich, und nicht zuletzt kann man ihn dort ja sehen.

“‘He kill them with they love,’ John said. ‘They love for each other. You see how it was?’ I nodded, incapable of speech. He smiled. The tears where flowing again, but he smiled. ‘That’s how it is every day,’ he said, ‘all over the worl’.’”

Kein griffiges Zitat, jedoch “The tears where flowing again, but he smiled.” Vielleicht les ich nun, ganz unerwartet, hin und wieder Stephen King.

9. März 2007, 08:16

08.
März
2007

Ich kenne einen kleinen Philosophen,

der oft des Abends neben seinem Bett das Licht anknipst mit der Begründung, er müsse sehen, was er sage. Dem ist kaum zu widerstehen. Und dann, um den Beginn der Nacht doch aufzuschieben, sammelt er im Licht Ideen, was er noch sagen könne, als jage er nach Schmetterlingen. In jüngster Zeit knipst er das Licht an, um in Büchern rumzublättern. Diese abendliche Stille ist auch nicht zu verachten.

8. März 2007, 08:40

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