Leonardos Fahrrad? jörns notizen

04.
Januar
2007

Guten Morgen

sagte die Wand, ick bin allhie. Zum Glück ist es keine Außenmauer, durch die ich seit Silvester morgens aus dem Bett zu steigen suche, das zugunsten einer Eisenbahnbaustelle (befristet, wie es früher üblich war) mit meiner altgewohnten Ausstiegsseite immer an der Wand lang meinem unsteten Morgen-Elan ein jähes Ende bereitet.

Die letzten Jahre haben mich gelehrt, dass manche Wand doch nur in meinem Kopf vorhanden ist und plötzlich Türen offenstehen, wo ich sie nie vermutet – das Neue Jahr, so scheints, es will mir sagen, dass ich nicht gar zu blindlings gegen Wände rennen sollte. Manchmal fehlt sie eben doch, die Tür. Aber lassen werde ich es darob nicht.

Willkommen im Neuen Jahr, ich wünsche allen ein gesegnetes, vor allem allen jenen unter denen die mir nahe sind, die von mir schon lange nix gehört, weil ich damit beschäftigt bin Wände zu probieren.

4. Januar 2007, 07:42

07.
Dezember
2006

Advent und Abenteuer

sind Verwandte, zumindest sprachgeschichtlich, im Alltag muss man diesen Kontext suchen. So liegt wohl manche Wurzel heute unter Sedimentgestein begraben.

7. Dezember 2006, 08:19

06.
Dezember
2006

verworrener traum

verworrener traum
von dorrendem baum
des rinde von wettern geschunden
sein astwerk ragt trotzig gewunden
doch leblos im raum

der dorrende baum
an traumwaldes saum
hat ewige ruhe gefunden
gefrorenen blickes die stunden
in zeitlosem raum

da fällt dieser baum
er fällt wie im traum
gleich stunden zäh fließen sekunden
und lautlos zerbrechend durchrunden
die äste den raum

verworrener traum
von gefallenem baum
und ließen gerissene wunden
dem baume die wurzeln gesunden
sie brachen den saum

6. Dezember 2006, 07:47

30.
November
2006

Nicht suchen, finden.

Wenn Theodor W. Adorno das Dilemma der Kunst mit “Kunst will das, was noch nicht war, aber alles, was sie ist, war schon.” zu beschreiben sucht, so rette ich mich zu den Malern, denen ich schon immer unterstelle, sinnlicher zu sein als etwa Dichter oder Musiker. Dort fühl ich mich zu Hause, obgleich ich überhaupt nicht malen kann, in Sätzen wie diesem: “Das Geheimnis der Kunst liegt darin, dass man nicht sucht, sondern findet.” von Pablo Picasso, der den Unterschied im Ergebnis so umreißt: “Es gibt den Maler, der aus der Sonne einen gelben Fleck macht, aber es gibt auch den, der mit Überlegung und Geschick aus einem gelben Fleck eine Sonne macht.” Und für Marc Chagall, natürlich, rettet uns die Liebe: “In der Kunst wie im Leben ist alles möglich, wenn es auf Liebe gegründet ist.”

Doch bevor aus alledem ein unsägliches “Du musst es nur wollen” vorzuschmecken beginnt, lass ich Max Liebermann die Bremse ziehen: “Kunst kommt von Können, käme sie von Wollen, so würde sie Wulst heißen.” Es gibt auch eine Fassung von Karl Valentin, die geht mit ‘Wunst’, doch ‘Wulst’ trifft es viel besser, auch oder weils wohl eher Verbalabstraktum zu Vorläufern von ‘Wallen’ ist. Nur sollten, ich erinnre an den eingangs zitierten Satz von Herrn Adorno, die Könner öfter daran denken, dass auch die Suche nach dem Neuen, das Wollen dessen, was noch nicht gewesen, zuweilen elend als ein Wulst sein Ende findet.

30. November 2006, 08:31

29.
November
2006

novemberblues

die grauen gänse ziehen kreise
novembertief im himmelsgrau
und alte zweige knarren weise
im fahlen licht sehn ich das blau
ich hab den blues, der blues hat mich
du fehlst mir so, ich liebe dich

die niesel meine sinne feuchten
bis mirs an mut und kraft gebricht
gestorbnen blättern starb ihr leuchten
verloren scheint der sonne licht
ich hab den blues, der blues hat mich
doch wärmt es mich, denk ich an dich

die gänse ziehen ihre kreise
gottlob, die kraniche sinds nicht
sie schreien klagend ihre weise
von nebels lastendem gewicht
ich hab den blues, der blues hat mich
mich rettet dein “ich liebe dich”

29. November 2006, 19:37

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