Leonardos Fahrrad? jörns notizen

27.
November
2006

Adventsgeflitter

Manch Homonym ist fast verschwunden, weil die Sprache einen Ausweg hin zu klangverschiednen Wörtern suchte. Im Englischen ‘to flitter’ weist auf das erahnte Flattern hin, unruhiger Glanz und Flimmern liegen in der Nähe – Goldflitter auf den Tannenzweigen, flattriges Gedränge auf den Weihnachtsmärkten. Auch bei ‘Flitterwochen’ mag man(n) an glitzernde Pailletten, Goldsprenkel in ihrem Haar und ihren Augenwinkeln denken. Doch das ‘Flittern’ jener Wochen stammt von dem verlornen ‘vlittern’ ab, für flüstern, kichern und liebkosen. Und ist der ganze Lack mal ab, das ‘vlittern’ bleibt, so bleibt zu hoffen. Ich hoffe, dass dies ‘vlittern’ im nahenden Advent nicht untergeht in all dem Lärm gefälligen Gedudels…

So ‘vlitter’ ich in eigner Sache und lade herzlich ein zur Ankunft im Advent, Cornelius, Bach und alte Weihnachtslieder, besinnlich, aber nicht besinnungslos:

Licht der Welt
Ein Liederabend im Advent

Elisabeth Gaitzsch (Mezzosopran)
Jörn Gruël (Bass)
Annegret Geier (Klavier)

am 02.12.2006 16:30 in Stollberg
in der Aula des Carl-von-Bach-Gymnasiums
im Rahmen der Stollberger Meisterkonzerte

27. November 2006, 09:01

26.
November
2006

Und seit Tagen

scharren die Weihnachtsmärkte mit den Hufen. Dabei haben wir heut erst einmal Ewigkeitssonntag. Man sagt es so dahin, wenn ein Grund zum Feiern Anlass wird: Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Ich finde, man verschenkt sich viel, wenn man vergessen hat, den Satz in jeder Hinsicht auszuleben.

26. November 2006, 09:24

23.
November
2006

Deformatik

Hat eigentlich irgendwer schon wahrgenommen, dass Informatikjahr ist dieses Jahr? Am Physikjahr letztes Jahr kam man Dank Einstein nicht vorbei. Aber das Informatikjahr? Sie haben es nicht leicht, die Informatiker. Das fängt ja schon bei dem Begriff an, die Doppeldeutigkeit des Präfix ‘in’ war schon bei den alten Römern angelegt, und wer wollte angesichts der Presselandschaft heute den Hauch des Destruktiven im Begriff “Information” verleugnen? Sie haben es nicht leicht, die Informatiker, sind überall vertreten in den Dingen unsres Lebens, und doch werden sie zumeist nur wahrgenommen, wenn wiedermal das Interface nicht stimmt. Wenn sich unser Mobile nicht mit dem PC versteht und zugleich wir fürchten müssen, dass der Nachbar grade in unsrem Telefonverzeichnis blättert. Wenn ein Programm mal wieder so daherkommt, dass unsre Intuition auf eine wahre Probe gestellt ist. Wenn irgendein Produkt mal wieder tausend Extras mitbringt, aber ein entscheidendes Detail vergessen wurde. Wissenschaft von der “Informationsverarbeitung” nennen sie ihr Fachgebiet auf Deutsch, und das ist vielleicht der Fehler. Das Informationen von Maschinen gesichtet und geordnet, manchmal sogar gedeutet werden, ist schließlich nur die halbe Miete. Es braucht doch auch den Austausch. Und, bitteschön, nicht nur zwischen Maschine und Maschine.

Nächstes Jahr ist Jahr der Geisteswissenschaften. Mal sehn, ob die es schaffen, aus ihrem stillen Kämmerlein hervorzubrechen und zu pflegen, was gutem Denken erst den Sinn gibt: Kommunikation.

23. November 2006, 08:45

14.
November
2006

laufrad

tausend dinge wichtig scheinen
dies laufrad hält mich auf den beinen
beinah überschlag ich mich
halte inne und seh dich

du lässt mein laufrad langsam drehen
lässt mich mein walten neu besehen
und zugleich bestärkst du mich
dafür, liebe, lieb ich dich

14. November 2006, 09:04

14.
November
2006

Nachtrag

Unterwegs zu sein hat nie gereut, doch dieses Mal hat es mich gar geeint und mir Zerrissenheit befriedet – es ist ein ander Ding, im Chor zu singen, jedoch für Abende wie jenen um Jerusalem lohnt dies Verbiegen allemal. Wir waren nicht perfekt, wir waren nicht am Ziel, doch unterwegs mit Klangerfahrungen, die mich noch eine Weile begleiten werden und allen Kraftaufwand vergessen machen. Es ist ein gutes Gefühl, an einem Projekt teilhaben zu dürfen, das auf rechten Weg geraten ist. Das nächste Mal im Januar, dann wieder in Berlin.

14. November 2006, 09:03

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