Leonardos Fahrrad? jörns notizen

10.
November
2006

Und wieder

ein ganzes Wochenende weg. Doch unterwegs, dies immerhin:

10. November 2006, 17:11

06.
November
2006

Deich und Teich

haben etymologisch gemeinsam eine Wurzel, was dem Sächsischen durchaus entgegenkommt. Entfernt von ‘stechen’, ‘stecken’ stammend trennten sich die Worte erst allmählich in den Deich und in das Loch, aus dem der Aushub für den Deich gekommen… daher bleibt ein Teich immer eine flache Angelegenheit und etwas Künstliches. Und wenn er nicht dem Selbstzweck dient, um einfach nur schön dazuliegen, ein Stückchen Landes nehmend und so Landschaft schaffend, ist es vielleicht ein Fischteich. Dann kann man ihn auch Weiher nennen. Den brachten uns die Römer – das ‘vivarium’, natürlich von ‘vivere’ – ‘leben’. Gefällt mir übrigens viel besser als das im 19. Jahrhundert erkünstelte ‘Aquarium’, in dem das Leben nur Kulisse ist. Wie ich gerade darauf komme? Bin mitten in der Textarbeit für einen Weihnachtsliederabend, und Weiher steht im Herkunftswörterbuch direkt über Weihnacht. Wenn ich nicht immerzu und sowieso vom Hundertsten ins Tausendste gelangte, dann müsst ich meinen, ich sei für Weihnacht noch nicht reif. Was wohl verständlich wäre, jetzt, am Anfang des November…

6. November 2006, 09:01

02.
November
2006

Mich deucht,

je länger ich schlafe, desto müder wache ich auf. Offenbar kommt mein Körper auf den Geschmack, wenn ich zu lange schlafe. Ich werde mich entscheiden müssen. Wie bisher mit wenig Schlaf am Abgrund, oder konsequent so viel davon, dass es dem Körper leid wird. Bis er, des Schlafes überdrüssig, mich morgens aus dem Bett scheucht. Und mir die warme Federdecke nicht mehr so paradiesisch scheint. Dort drunter liegend gingen mir heut Morgen ‘dünken’ und ‘den Anschein haben’ durch den Kopf. Mir schien, dass ich ‘mir scheint’ nicht passgerecht gebrauche, wenn ich den Anschein des Gedankens meine. Und wirklich stammt ‘mich deucht’ als Konjunktiv Präteritum von ‘dünken’ ab, das nicht nur seinem Klange nach ganz nah beim Wörtchen ‘denken’ liegt. Wogegen doch ‘mir scheint’ was Irrlichthaftes hat und vielleicht besser den Widerschein des Äußeren bezeichnet. Nun sitze ich am Fenster und mir scheint, es wird ein herrlich klarer Herbsttag aus leuchtend bunten Farben. Und deucht mich vorhin noch, ich würde heut nicht wach, jetzt sieht die Welt doch schon ganz anders aus. Und trotzdem fasse ich die Federdecke heut Morgen nur mit spitzen Fingern an. Sicher ist sicher.

2. November 2006, 08:26

01.
November
2006

Herbstblatt

Die Graugänse werden immer fetter, ein Wunder, dass sie sich noch in die Lüfte schwingen können, und ihr knarzendes Geschrei hallt von allen Enden. Ein paar versprengte Enten ziehen ihre Runden, doch ist bei all dem Gansgeschrei von ihnen nichts zu hören. So scheint es trotz des Lärms umher, als zögen sie geräuschlos ihre Bahnen, in einem Bild der Stille. In der mich die Gedanken reisen lassen durch das vergangne Jahr, und wieder seh ich Enten ihre Kreise ziehen, an einem lauen Abend überm Hof des Dresdner Zwingers, unter großem Mond, sie zogen über unsrer Carmina dahin. Sie quietschen beim Fliegen immer ein bisschen, als müssten sie mal wieder ihre Flügel ölen. Dies schräge Quietschen überm Zwingerhof nahm mir damals das Weh vom Mut. Vielleicht ein letztes Mal, ein letztes Mal für mich, vielleicht letztmalig mitgesungen die Carmina Burana… und nun, im Herbst, dem Worte nach die Erntezeit, pflanz ich ganz ohne Weh mit Mut den neuen Baum, dem ich hinfort beim Wachsen zusehn und in seinem Schatten neue Träume spinnen will.

1. November 2006, 08:47

12.
Oktober
2006

Ausgelesen

Wenn ich nicht aufpasse, bin ich bald nur noch damit beschäftigt, erlesene Lektüre ungelesen auszulesen, damit wieder Platz für neue wird. Jeder schwere Trinker ist da vernünftiger.

12. Oktober 2006, 09:03

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