Leonardos Fahrrad? jörns notizen

10.
Oktober
2006

Opernregie(rung)

Zum Reizthema Opernregie und Reiz der Provokation aus einem leider wieder mal nicht frei und online verfügbaren Beitrag in der ZEIT, siehe Inhalt 2006/41, von Johanna Dombois und Richard Klein, sie diagnostizieren: Das “Revolutionäre” selbst ist konservativ geworden, durch kraftlose Wiederholung der Protestgebärde abgespielt und vielerorts auf das Niveau heruntergekommen, das man den “Konservativen” glaubt vorwerfen zu müssen. und beklagen mit Blick aufs Publikum: Man sehnt sich nach einer andren Welt, die jedoch die, in der man lebt, in Frieden lässt.

Es tut mir gut, solches in einem Text zu lesen. Nichts ist nur schwarz und weiß; dazwischen liegen statt grauem Grauen graue Töne, und drumherum als Raum die Farben. Jas und Neins, die ganze Boolsche Logik, sie versagen und sind zugleich wahr für jedes kleine Paradox. Ich wünschte mir, wir lernten wieder mehr mit Widersprüchen leben. Dann merkten wir viel öfter, dass es in Wahrheit keine sind.

10. Oktober 2006, 19:28

10.
Oktober
2006

liebesmacht

bleiern schwer senkt sich die nacht
lässt die seele düster träumen
und nebel lauern hinter bäumen
im hinterhalt ein käuzchen lacht

senkt sich bleiern schwer die nacht
lass uns unsre träume schenken
einander an die liebe denken
bis wir aus dieser nacht erwacht

senkte schwer wie blei sich nacht
ließen wir einander fliegen
und so die dunkelheit besiegen
allein durch unsrer liebe macht

10. Oktober 2006, 07:56

06.
Oktober
2006

Das Ende

ist schwer zu fangen, kaum fange ich an, es zu fangen, fange ich an, und dann ist das Ende kein Ende, da ich doch am Anfang stehe, oder gehe, oder fange, was auch immer, dieser Zustand, er wird immer schlimmer, besonders im Erwachen erwachsen mir unter dem Haupt so überhaupt noch nicht erwachsene Gagadanken, ich sehe dann Blau-Bären in trunknem Übermut Vernünf-Tiger verleiten: blas Phemie! Bär- und Fruch-Tiger tanzen dazu mit einem Him-Bär Polka, und tausend L-fen sitzen Nektar äsend in den Ästen, ich wünscht, ich könnt nicht nur mit Worten malen und B zeichnen, wo ich A gesagt. Ich nenn es Gagaismus, von überkommenen Formen frei und sinnfrei bis zum Übergeben, und ich breche mit der Hoffnung, es könnte Dadais-Mus sein, auch mir sind alle Ismen widerwärtig, doch ist im Unterschied zu jenen mein Gagageist verschieden, anscheinend, nein, nun ist es offenbar: ich bin gaga.

6. Oktober 2006, 08:32

05.
Oktober
2006

Ein Wort

nur, ein Wort im Anfang des Grauens am Morgen. Wortlos Reden lauschend, die sie halten, statt des Wortes. Immer wieder Reden, ungeduldet Widerreden, Reden wider das Wort, das sie wohl redlich halten sollten doch nicht wollten. Ich aller Worte bar, wortlos am Morgen, schweigend. Den Kopf voller Worte, in Momenten, da sie fehlen, weil jedes Wort nur fehlgehen würde. Ein Wort sagt mehr als tausend andre, sagt man, ist also keines Gold? Wortlos also, sprachlos lausch ich ohne Atem ihnen, atemlos sprachen sie los, sprachen sich los, und frei, das Leben ein Steinbruch der Worte, beständiger Wortbruch, statt Wort zu halten hinzuhalten die Maxime, ich doch das Wort ergriffen, um Kopf und Kragen geredet mich, und dann nicht mehr, wie auch, ohne beides. Sie reden noch immer, die Diätenfresser.

5. Oktober 2006, 08:55

03.
Oktober
2006

Verdreht ist nicht verkehrt...

Willst du ausschließlich Schuster sein, dann bleib bei deinem Leisten. Stete Tropfen fängt der hohle Stein, drum klotzen, bis es kleckert. Der faule Vogel fängt nur frühe Würmer, die vor Schlaf noch taumeln. Apropos Vogel: lass den Spatzen fliegen, wenn du die Taube auf dem Dach begehrst. Aber stelle Dein Licht ruhig unter den Scheffel; dort tut es not.

3. Oktober 2006, 17:06

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