Leonardos Fahrrad? jörns notizen

27.
September
2006

Danke, Frau Harms!

Da beschwere ich mich über Heiße-Luft-Debatten, und schon haben wir die nächste. Ich empfinde die Entscheidung der Harms fast als Geniestreich. So kurz vor der umstrittenen Islamkonferenz noch eine Steilvorlage zur Diskussion. Und schon wieder hallt der Aufschrei der Prinzipienreiter, ein “Kniefall vor Terroristen” sei es, sie sei “verrückt”… Die islamischen Lager in Deutschland äußern sich durchaus verschieden, das läßt mich hoffen. Und ich wünschte mir eine Diskussion über Sinn und Unsinn von inszenierten Provokationen ebenso wie über Sinn und Unsinn von Blasphemie-Geschrei statt gelassner Toleranz.

27. September 2006, 09:31

26.
September
2006

Debatten,

Wortgefechte, sie toben, so will es mir scheinen, in letzter Zeit besonders oft und heftig. Handke, Grass, am Ende bleibt von solchen Diskussionen nur ein Haufen heißer Luft. Sie fallen mir zur Last, weil ich mich ihnen nicht entziehen kann. Weil ich mich dabei ertappe, wie ich selber debattiere und mich belese über Dinge, vor denen ich ganz andre Sachen lesen sollte, die für mich wirklich auf der Tagesordnung stehen. So wichtig es für unsre Wege sein mag, sich über ihren Grund und über Positionen zu verständigen, die Wege sollten über alledem doch noch beschritten werden. Anstatt an jeder Gabelung erneut zu diskutieren und zu feilschen. Am Ende treffen sich die Wege doch – weil unverhofft sie wieder zueinander führen, und manches Mal auch, weil die eine Strecke sich als Irrtum zeigte, und die sie begangen umgekehrt und nachgekommen sind.

Debatten lassen sich bewusst lancieren. Zum Beispiel, wenn ein Herr Grass sein Buch verkaufen will. Und wenn es denn so war, was solls? Es hat doch funktioniert, ob nun geplant oder passiert, für das Ergebnis ists egal. Bei der Debatte um das problematische Zitat des alten Kaisers, das Benedikt XVI. in seiner Rede so nackt und ohne Kommentar und Querverweis auf eigene Geschichte stehenließ, bin ich mir mittlerweile nicht mehr sicher, ob diese Rede nicht am Ende gut geplant gewesen ist. Da hält der Papst eine Vorlesung. Irgendwo, in Regensburg. Und bekommt sofort immense Bedeutung beigemessen von scheinbar allen Muslimen dieser Erde. Sie haben seine Rede bei weitem nicht alle gelesen, aber sie nehmen ihn wahr und wichtig. Als hätten sie nur darauf gewartet, derart verletzt zu werden. Und nun kann Benedikt die Wirkung seiner Worte öffentlich bedauern. Kann sich versöhnlich zeigen. Nicht länger der Unfehlbare, aber in der Sache dennoch nicht blindlings nachgiebig. Versöhnliche Worte ohne den Eklat zuvor, wer hätte sie gehört? Am eindrücklichsten nahm ich wahr, dass es Imame gab, die zu gewaltlosen Protesten riefen. Am Ende jede Seite in einem neuen Licht, und zumindest noch ist kein Krieg daraus geworden. Wenn Debatten solche Wirkung zeigen, kann ich an ihnen ja vielleicht doch noch etwas Gutes finden.

26. September 2006, 08:55

25.
September
2006

Abbaden

Gestern bei stetiger Brise lauen Windes und entsprechendem Wellengang in wunderbar klarem Wasser unter sehr herbstlich goldenem Licht Abschied genommen vom geliebten See, auf dessen Eis zu gehen unser nächstes Wiedersehen wird. Aufbruch in den Herbst, überhaupt viel Aufbruch grad in diesen Zeiten. Und immer ist der erste Schritt ein Abschied. Ich nehme jeden Abschied mit allen Sinnen in mich auf und drehe mich noch tausend Male um, und viel zu oft nehm ich den Abschied wohl ein dutzend Male, bevor ich mich schlussendlich wende und nur noch den nächsten Schritten folge. Und auch der See wird mich wohl wiedersehen, noch vor dem Eis.

25. September 2006, 07:50

20.
September
2006

Pünktlich zu spät.

Und während, daunenbewehrt, wohlige Wärme noch Trutz ist gegen die kriechende Kühle des Morgens, sägt sich der Wecker, dieser Auswurf moderner Zivilisation, mit schrägem Ton durch Herz und Hirn, bis alle Haare strammstehn auf den Hügeln meiner Gänsehaut, mich fröstelt. An andren Tagen weckt mich meine innre Uhr Sekunden vor dem ersten Weckerschrei. Nicht heute, sie wird ihre Gründe haben. Es ist ein Fehler, dass ich auf diesen Wecker höre, ich weiß es. Und doch stehe ich auf. Das nenne ich erbärmliche Anpassung. Anstatt die Zeit mit Sinn zu füllen, schneid ich sie in kleine Stücke und haste den Minuten hinterher. In solchen Augenblicken geh ich dann unvermittelt auf die Klötzer und halte trotzig inne. Und komm zu spät. Schon wieder.

20. September 2006, 08:42

15.
September
2006

Jammern für Deutschland: Die Öffentlich-Unrechten...

Dass die GEZ eine unerträglich agierender und furchtbar deformierter Apparat ist – ein alter Hut. Dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auf unsere Kosten viel Unfug veranstalten – es sabbert einem aus der Flimmerkiste entgegen, wenn man denn nur den Fehler begeht, eine zu besitzen und auch noch auf entsprechendem Kanal zu nutzen.

Über einen Artikel in Telepolis bin ich nun zu allem Übel auch noch auf diese von der GEZ verfasste Definition gestoßen worden:

Unter dem dualen Rundfunksystem versteht man das gleichzeitige Bestehen von öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunkanstalten. Diese unterscheiden sich in erster Linie durch ihre Finanzierungsform.

Dem Artikel Horst Müllers habe ich nichts hinzuzufügen außer einem Ruf nach dem “Runden Tisch”.

15. September 2006, 12:53

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