Demokratie - nur echt mit dem Fragezeichen… »
05.
Oktober
2006
Ein Wort
nur, ein Wort im Anfang des Grauens am Morgen. Wortlos Reden lauschend, die sie halten, statt des Wortes. Immer wieder Reden, ungeduldet Widerreden, Reden wider das Wort, das sie wohl redlich halten sollten doch nicht wollten. Ich aller Worte bar, wortlos am Morgen, schweigend. Den Kopf voller Worte, in Momenten, da sie fehlen, weil jedes Wort nur fehlgehen würde. Ein Wort sagt mehr als tausend andre, sagt man, ist also keines Gold? Wortlos also, sprachlos lausch ich ohne Atem ihnen, atemlos sprachen sie los, sprachen sich los, und frei, das Leben ein Steinbruch der Worte, beständiger Wortbruch, statt Wort zu halten hinzuhalten die Maxime, ich doch das Wort ergriffen, um Kopf und Kragen geredet mich, und dann nicht mehr, wie auch, ohne beides. Sie reden noch immer, die Diätenfresser.
5. Oktober 2006, 08:55
27.
September
2006
Danke, Frau Harms!
Da beschwere ich mich über Heiße-Luft-Debatten, und schon haben wir die nächste. Ich empfinde die Entscheidung der Harms fast als Geniestreich. So kurz vor der umstrittenen Islamkonferenz noch eine Steilvorlage zur Diskussion. Und schon wieder hallt der Aufschrei der Prinzipienreiter, ein “Kniefall vor Terroristen” sei es, sie sei “verrückt”… Die islamischen Lager in Deutschland äußern sich durchaus verschieden, das läßt mich hoffen. Und ich wünschte mir eine Diskussion über Sinn und Unsinn von inszenierten Provokationen ebenso wie über Sinn und Unsinn von Blasphemie-Geschrei statt gelassner Toleranz.
27. September 2006, 09:31
26.
September
2006
Debatten,
Wortgefechte, sie toben, so will es mir scheinen, in letzter Zeit besonders oft und heftig. Handke, Grass, am Ende bleibt von solchen Diskussionen nur ein Haufen heißer Luft. Sie fallen mir zur Last, weil ich mich ihnen nicht entziehen kann. Weil ich mich dabei ertappe, wie ich selber debattiere und mich belese über Dinge, vor denen ich ganz andre Sachen lesen sollte, die für mich wirklich auf der Tagesordnung stehen. So wichtig es für unsre Wege sein mag, sich über ihren Grund und über Positionen zu verständigen, die Wege sollten über alledem doch noch beschritten werden. Anstatt an jeder Gabelung erneut zu diskutieren und zu feilschen. Am Ende treffen sich die Wege doch – weil unverhofft sie wieder zueinander führen, und manches Mal auch, weil die eine Strecke sich als Irrtum zeigte, und die sie begangen umgekehrt und nachgekommen sind.
Debatten lassen sich bewusst lancieren. Zum Beispiel, wenn ein Herr Grass sein Buch verkaufen will. Und wenn es denn so war, was solls? Es hat doch funktioniert, ob nun geplant oder passiert, für das Ergebnis ists egal. Bei der Debatte um das problematische Zitat des alten Kaisers, das Benedikt XVI. in seiner Rede so nackt und ohne Kommentar und Querverweis auf eigene Geschichte stehenließ, bin ich mir mittlerweile nicht mehr sicher, ob diese Rede nicht am Ende gut geplant gewesen ist. Da hält der Papst eine Vorlesung. Irgendwo, in Regensburg. Und bekommt sofort immense Bedeutung beigemessen von scheinbar allen Muslimen dieser Erde. Sie haben seine Rede bei weitem nicht alle gelesen, aber sie nehmen ihn wahr und wichtig. Als hätten sie nur darauf gewartet, derart verletzt zu werden. Und nun kann Benedikt die Wirkung seiner Worte öffentlich bedauern. Kann sich versöhnlich zeigen. Nicht länger der Unfehlbare, aber in der Sache dennoch nicht blindlings nachgiebig. Versöhnliche Worte ohne den Eklat zuvor, wer hätte sie gehört? Am eindrücklichsten nahm ich wahr, dass es Imame gab, die zu gewaltlosen Protesten riefen. Am Ende jede Seite in einem neuen Licht, und zumindest noch ist kein Krieg daraus geworden. Wenn Debatten solche Wirkung zeigen, kann ich an ihnen ja vielleicht doch noch etwas Gutes finden.
26. September 2006, 08:55
15.
September
2006
Jammern für Deutschland: Die Öffentlich-Unrechten...
Dass die GEZ eine unerträglich agierender und furchtbar deformierter Apparat ist – ein alter Hut. Dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auf unsere Kosten viel Unfug veranstalten – es sabbert einem aus der Flimmerkiste entgegen, wenn man denn nur den Fehler begeht, eine zu besitzen und auch noch auf entsprechendem Kanal zu nutzen.
Über einen Artikel in Telepolis bin ich nun zu allem Übel auch noch auf diese von der GEZ verfasste Definition gestoßen worden:
Dem Artikel Horst Müllers habe ich nichts hinzuzufügen außer einem Ruf nach dem “Runden Tisch”.
15. September 2006, 12:53
15.
September
2006
Aufgemerkelt, die Fincken pfeifens von den Dächern...
und eine neue Ära der Globalisierung könnte Bahn sich brechen in zeitungspapierne Kotztüten, eine Falzanleitung dafür liegt in Zukunft bei. Dank Peter Kümmel von der ZEIT blieb mir gestern morgen mein Kaffee fast im Halse stecken, er zitiert Frau Merkel: Ist es einfach mit der Pressefreiheit erklärbar, dass man sich nur auf sein lokales Publikum konzentriert und für dieses schreibt, aber die Wirkungen an anderer Stelle dieser Welt unter völlig anderen Rezeptionsmöglichkeiten außer Betracht lässt und sagt, ‘es geht mich nichts an, ich bin eine deutsche Zeitung, ich schreibe für Deutschland’, oder muss diese Globalisierung der Information auch eine Reflexion in der Art und Weise unseres Ausdrucks haben? So gesprochen bei der Verleihung des M100-Sanssouci-Medienpreises, der M100 heißt, weil da 100 Medienleute aufs Parkett getrommelt werden, nicht etwa, weil es der hundertste Medienpreis sei, der sich mit Politikern zu schmücken weiß.
Nun musste ich mir Merkels Rede auf ihrer Website suchen, weil doch die liebe ZEIT nicht mehr für nötig hält, mit allen Texten für alle frei im Web zu stehen – für mich wahrscheinlich ein Kündigungsgrund; ich habe sie schließlich einst nur unter dieser Maßgabe abonniert, aber das ist eine andere Baustelle. In diesem Fall ganz heilsam, weil ich Merkels Rede so nicht nur als Auszug las. Immerhin betont sie darin mehrfach, dass man nach dem Karikaturenstreit über dieses Thema diskutieren sollte. Wobei andre ihrer Zeilen schon aufzufordern scheinen zur Schere in den Köpfen, Reporter amputiert zu kleinen Diplomaten…
Zurück zu Kümmel, der schlägt nun vor: Wäre es nicht besser, […] das Wichtigste zwischen den Zeilen zu verstecken? Eine allen mithörenden Feinden gerecht werdende Kommunikationstechnik zu entwickeln, welche den veröffentlichten Text nur als Hohlcontainer für das Unaussprechliche braucht? und erinnert sich an Werner Finck, jenen Kabarettisten, der in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Kabarett “Die Katakombe” die Mitschreiber von der Gestapo schon mal fragte: Kommen Sie mit? Oder soll ich mitkommen? Zu seiner besondren Kunst und Fertigkeit schreibt Peter Kümmel: Was er meinte, sagte er nicht; was er sagte, war anders gemeint und die Luft summte vom Ungesagten, welches das Publikum flugs im Geist ergänzte – das ist mir doch irgendwoher so vertraut? Peter Kümmel schließt: Er konnte nicht ahnen, welch große Zukunft seine Kunst einmal haben würde.
Und offenbar ahnt Peter Kümmel nicht, wie lebendig eben diese Technik in all den Jahren der gottunddemvolkseidank vergangenen DDR gewesen ist. Es gilt also noch immer: vom Osten lernen heißt siegen lernen, ha!
P.S. In ihrer Rede benennt Frau Merkel noch viel schwerer als Zeitungsredakteure zur Räson zu bringende Gesellschaftselemente: Im Zeitalter der Blogs und der Verschwörungstheorien im Netz kann man weltweite Gegen- und Nebenöffentlichkeiten nicht ignorieren. Dazu zählen auch Propagandaseiten und Hass produzierende Communities, die im Internet zur Ausweitung von Konflikten und Kriegen beitragen. Na, dann mach ich mich mal lieber schnell vom Acker, bevor das wer in seinen Hals kriegt, dem Differenzieren noch nie gelegen hat. Der Gesetzgeber hat in Sachen Computer auch in der Vergangenheit eher selten kundige Entscheidungen getroffen.
15. September 2006, 08:43



