27.
August
2006
Kaum ahnbar
enthob der kleine Flieger sich irdischer Schwere, Wolkengespinste flogen am Fenster vorüber wie feine Fäden heißen Zuckers, es roch mir nach Jahrmarktsbuden und Zuckerwatte. Aber das mag an der frühen Stunde gelegen haben; vor dem ersten Kaffee verschwimmen Traum und Wirklichkeit. Der Tag war schnell vergangen, Anspannung bleierner Schwere gewichen. Müde hing ich nun im Sitz, meine Gedanken glichen Seifenblasen, und ich suchte gar nicht erst, sie einzufangen. Plötzlich hellwach. In den Sitz gepresst sehnte ich den Start des kleinen Fliegers vom Morgen zurück; die Startbahn schien Prärie geworden und dies Fluggerät ritt augenscheinlich auf einer Horde panisch flüchtender Bisons. Romantische Reminiszenz aus Seattle? Oder war es nur die vielbefahrene Piste? Egal. Hellwach harrte ich des Abhebens und ergötzte mich zum unzähligsten Male an jenem schwarzen Strich auf des Flügels Rand, wo der Hinweis “DO NOT WALK OUTSIDE THIS AREA” einen Bereich markiert, den ich auch inside nicht unbedingt zu betreten wünsche. Aber wenige Zentimeter vor zunehmend tiefem Abgrund wohnt diesem nüchternen Hinweis eine gewisse Komik inne. Ich sitze fast immer zwischen den Flügeln, direkt beim Notausgang, wo man auch in der Holzklasse auf ein wenig mehr Beinfreiheit hoffen darf. Und angesichts meiner Länge hat das Personal beim Check-In für gewöhnlich Mitleid und platziert mich dort. Natürlich am Gang; ein in Schulterhöhe endendes Fenster erfüllt seinen Zweck ohnehin eher nicht, und unter der viel zu nahen Wölbung des Rumpfes bekäm ich mit notgedrungen schiefgehaltenem Kopf ziemlich bald klaustrophobische Anfälle. Im letzten Augenblick rettete ich mein wohlig in den Gang gestrecktes Bein vorm Saftwagen. Und da war sie wieder, die selbsterfüllende Prophezeiung: ich dachte daran, dass während eines Flugs angeblich alle wie verrückt Tomatensaft trinken und bestellte – Tomatensaft. Dabei hat das Zeugs aus dem Tütchen so gar nichts mit frisch gemahlenem Pfeffer gemein. Und während ich mir schlückchenweise den Saft frischer Tomaten zu imaginieren suchte, fand ich das Wort Klischee bei seinem Ursprung angekommen: ‘eingefahrenes Bild’ vom Tomatensafttrinken im Flugzeug meets ‘billige Nachahmung’. Stammt aus der Druckersprache, frz. ‘clicher’, abklatschen. Man kann auch ‘Abklatsch’ sagen, das wäre Gutenberg angemessen, aber es klingt nicht so elegant und ist zudem mit einem Verb verbandelt, das nach brauner Soße klingt. Dann doch lieber Klischee. Kaum merklich versank die Sonne in der Ferne, und mit irdischer Schwere schleppte ich mich nach Haus.
27. August 2006, 21:19
26.
August
2006
Augen-Blicke
Dort wo Meeres Blau in grünem Lichtspiel mündet und eine Zauberwelt clownsbunter Fische zwischen wild verzweigten Korallen wartet, dort fand er sie und ertrank in ihren liebenden Augen.
26. August 2006, 13:44
25.
August
2006
singing in the rain

du kleines meer der steine am rande
bliebest unter strahlendstem blau
des sommers doch nur staubig und grau
reglos verrannen die zeiten im sande
als donnernd, über dorrenden auen
düstre wolken regen gesandt
der grauen steine leben gewandt
munter zerflossen das staubige grauen
so wendet regen sorgen zum segen
wandelt manchen wackligen steg
ganz unverhofft zu sicherem weg
finde das leuchten der steine im regen

25. August 2006, 10:07
15.
August
2006
Pause
Manchmal braucht es eine Pause, eine kreative allzumal. Was bereits wieder mit Pause nicht so recht zusammenkommt. Nicht mit jener, die sprachgeschichtlich wohl von Bimsstein stammt, und auch mit der Kopie von lat. pausa nicht, verbunden mit lat. pausare, für innehalten und ausruhen – die Pose ist nicht weit. Von frz. ponce (Bimsstein) über frz. poncer (mit Bimstein abreiben, durchpausen – was hatten die nur für stabiles Papier?) zu frz. ébaucher (entwerfen) wurde schließlich pausen draus. Kopieren schließt ja den Entwurf nicht aus.
Womit ich beim Thema wäre und mich in Pose werfe: Tataa, jetzt beginnt der offizielle Testlauf dieses meines neuen Weblog-Hauses, zu dem ich komme von meinem Weblog auf myblog.de. Das Äußere ist ganz bewusst kopiert, zunächst. Aber das Innenleben! Standardkonform (soweit geprüft zumindest) und mit extrem ausbaufähigem (und das ist sehr ernst nur als Lob gemeint) Textpattern dahinter. Mein Entwurf mag hier und da noch hakeln, doch ist der Weg jetzt frei für alles, was mein Bloggerherz begehrt. Ohne irgendeinen wohlmeinenden Blog-Provider, bei dem man aber leider nie ganz sicher weiß, was er morgen will. Und Textpattern hat das Zeug, so nebenbei auch eine ganz normale Website zu verwalten, ohne gleich so fett daherzukommen wie manches “große” CMS (Content Management System). Man hat viel selber zu organisieren, und an einigen Stellen musste ich recht tief graben, aber das empfinde ich als Freiheit; bei anderen Systemen hat man’s leichter, ist aber ganz und gar der normalerweise uferlosen Phantasielosigkeit ihrer Entwickler ausgesetzt. Bei Gelegenheit werd ich eine kleine Sammlung meiner Erfahrungen zusammenstellen.
Zurück zur Überschrift, jetzt mach ich wirklich Pause; ich fahre für ein paar Tage musizieren.
15. August 2006, 22:14
12.
August
2006
Abschied und Aufbruch
Der junge Sommer schon vergangen, Unschuldwölkchen wurden Wolken, und zartes Grün ward längst zu Stroh. Regen löscht den Staub der Ernte, zernarbt nun jenes Feld von Ackerfurchen, doch in der Ferne ahn ich Deine Reben… bald bin ich bei Dir.
12. August 2006, 11:11



