Nicht ganz dicht; immer versucht, Verse zu suchen. Nie ganz dicht, was dabei entsteht… »
22.
März
2007
Die erste Nacht
Unablässig schimpft ein Häher in den Wipfeln. Wie Hohngelächter klingt das Warnen dieses eitlen Spähers ihr, als sie die letzte Kehre nimmt und endlich, endlich sieht, wonach sie sich gesehnt, das Meer. Eben noch verfangen in Atemlosigkeit der letzten Wochen und sich belächelnd, ist augenblicks sie angekommen. Das Meer liegt aufgewühlt, brechende Wellen bis zum Horizont, doch sein Rhythmus fließt wie der Atem der Nacht, den Wellenkämmen zum Trotz liegt es in großer Ruhe. Zugleich ergriffen von schwerelosem Schweben und großer Schwere sinkt sie nieder, liegt mit ausgestreckten Armen, und ihre Hände greifen, graben, und sie finden Halt in nur zwei Handvoll Sand… Schritte. Sie hört die Schritte nahen. Es ist zappenduster, und jetzt fröstelt sie. Weiß nicht, wie lange sie gelegen hat. Es ist zappenduster, und doch ahnt sie nun einen großen Schatten über sich.
(…)
22. März 2007, 08:31
07.
März
2007
Stille
…und wieder pickt die Küchenuhr die Stille auf, Kurt Tucholsky fand dies wunderbare Bild und hat es gleich verschenkt, im April 1914, an seine Erzählung In des Waldes tiefsten Gründen, darinnen er von einem sehr, sehr deutschen Räuberdorf berichtet.
Und weil ich einmal beim Zitieren bin, als Peter Panter beschrieb Tucholsky 1931 in einer Glosse (Verkehr über dem Haus) das Maß der Stille, das er brauchte: still muss es sein, so still, dass man die Druckfehler in den Büchern knistern hört.
Eigenartig, dass die Stille so oft mit dem Geräusch verbunden – ich sehe mich bei meiner kleinen Großmutter, sie schläft am schmalen Ende ihres Küchentisches, den Kopf auf ihren Unterarmen, wie sie es wohl des Mittags ihr Leben lang getan, und die Zeit scheint stillzustehen. Wäre nicht die Uhr, die unablässig tickt und dabei doch dieses Gefühl des Stillstands noch verstärkt.
7. März 2007, 08:59
02.
März
2007
gerettet
wie wilder brandung flammenmeer am fels zerschollen
doch netzend jenes urbild aller kraft und ruh
hab ich als gischt zerrissen fliegen können wollen
dass ich zerrissen nicht zerschunden ward warst du
du heilst mir all die aufgerissnen wunden
dank dir wird jammervoll nie jämmerlich
in deiner nähe kann ich neu gesunden
dass du mich fliegen lässt, des lieb ich dich
dich seh ich schon die netze ziehen
wenn ich mal wieder mich erhebe
mich allerorts zugleich zu mühen
zerrissen nach verdopplung strebe
dass ich, im drängen blind
so aufgefangen lande
den roten faden find
und landend nicht versande
machst du, mein herz
tilgst allen schmerz
darum will ich
auf immer dich
2. März 2007, 10:45
28.
Februar
2007
lähmende unruh
eilend nur, in steter hast
ohne ruh und ohne rast
werden tage zu sekunden
nutzlos rinnen alle stunden
atemlos in dummer hatz
macht das herz den ängsten platz
wie in einem schlechten traum
greift sich leere drohend raum
unruh greift in das getriebe
lähmt am ende gar die liebe
doch dann spür ich deine wärme
trotze hast und allem lärme
28. Februar 2007, 19:10
23.
Februar
2007
Trotzkitsch
Rauhreif auf der Hagebutte
Hut aus Schnee auf einer Putte
Eiskristalle, Kerzenschein…
Schön, Winter kann so kitschig sein
Moment, ist Kitsch denn nicht Geschmiere
Mit Rührungstränen vor der Türe
Was Kitsch ist, ist denn das noch Kunst
Doch bloßes Wollen führt zu Wunst
Mag Winter kitschen, schmieren, kleistern
Dies Kleistern muss man erstmal meistern
Rauhreif auf der Hagebutte
Hut aus Schnee auf einer Putte
Kann als Kitsch man alles schmähen
Oder drin das Schöne sehen
23. Februar 2007, 11:47



